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Die Welt ist für uns zu klein

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Richtig bevölkert, oder?

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Eine gute Umwelt beginnt mit der Bekämpfung der Überbevölkerung

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Mehret euch nicht

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Grenzen des Wachstums

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Bevölkerungsdruck und PKWeh

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Ehepaare mit Kinderwunsch sind für die Zukunft doppelt verantwortlich

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Überbevölkerung = Überkonsum

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Stopp die Ausschöpfung und Verseuchung der Erde

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Zu wenig Wohlfahrt für zu viel Menschen

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Wir lieben Menschen, aber nicht ihre Zahl

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Wir können die Menschheit nicht auf sich bewenden lassen

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Sonntag, 17 April 2011 11:47

Nachhaltige Entwicklung und Bevölkerungswachstum als globales Problem

Wim Couwenberg in Civis Mundi, April 2008 http://www.civismundi.nl/

1.       Einführung
Wenn der Riesendifferenz der Lebenschancen in der Welt ein Ende gemacht werden soll, gemäß den Gerechtigkeitsprinzipien, die die Grundlage bilden der Ideologie der Menschenrechte, wie durch die Millenniumziele der VN beabsichtigt, gibt es dann noch immer eine ausreichende ökologische Tragfläche

für eine gleichmäßige Wiederverteilung der Lebenschancen? Wenn eine weltweite proportionale Verteilung der Wohlfahrt und der Energiequellen gerechtigkeitshalbe für wünschenswert und notwendig erachtet wird und die Tragfähigkeit der Erde nicht überbelastet werden soll, dann ist eine drastische Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks eines Durchschnittbewohners des reichen Westens nicht länger zu vermeiden. Und Gleiches trifft auch auf die schnell heranwachsende Weltbevölkerung zu.
Dass unser ökologischer Fußabdruck den rechtmäßigen proportionalen Anteil an Raum, Luft, Wasser und natürlichen Hilfsquellen vielfach übertrifft, ist sonnenklar. Der ökologische Fußabdruck eines Durchschnittamerikaners ist nicht weniger als neunmal so groß wie der eines Durchschnitteinwohners eines Drittweltlandes. Wenn der Rest der Welt genauso selbstsüchtig leben würde wie der reiche Westen, bräuchten wir ganze drei Erdkugeln, um dies zu ermöglichen. Globale nachhaltige Entwicklung, so lautete die Schlussfolgerung eines früheren Themahefts über nachhaltige Entwicklung, fordert eine andere Gesellschaftsform, einen veränderten mentalen Rahmen sowie eine Umverteilung der natürlichen Hilfsquellen.
In diesem Heft kehren wir zu diesem Thema zurück, gerade wegen seiner zunehmenden Urgenz im Zusammenhang mit der wachsenden Sorge um die Klimaveränderung. Es ist die Absicht, dabei nun auch die rasche Zunahme der Weltbevölkerung miteinzubeziehen, die bislang als Hintergrund dieser Problematik nicht bzw. ungenügend berücksichtigt wurde, um damit das ultime Tabu zu durchbrechen, das in diesem Zusammenhang auf der Frage des zunehmenden Bevölkerungsdrucks lastet. Dies erklärt, weshalb ich in dieser redaktionellen Einführung besonders auf diese Frage Rücksicht nehme, und die Relevanz dieser Zunahme als Hintergrund der Problematik der nachhaltigen Entwicklung zur Diskussion stelle.

2.       Negative Auswirkungen einer wachsenden Weltbevölkerung
Wie rapide die Weltbevölkerung seit 1800 angestiegen ist, zeigen folgende Zahlen: Erst nach Zehntausenden von Jahren hat sie die erste Milliarde erreicht; für die zweite Milliarde brauchte sie nur wenig mehr als hundert Jahre, für die dritte Milliarde dreiunddreißig Jahre, für die vierte nicht mehr als vierzehn, und für die fünfte knappe dreizehn Jahre. Die sechste Milliarde wurde bereits vor dem Ende des 20. Jahrhunderts erreicht, und zwar am 12. Oktober 1999. Wie unglaublich viele Menschenleben die Kriege des 20. Jahrhunderts auch gekostet haben, die Weltbevölkerung hat sich dennoch in diesem Jahrhundert von 1,6 auf 6 Milliarden Menschen gesteigert. Die Grenzen der nachhaltigen Regenerationsfähigkeit der Erde sind damit zum ersten Mal gesprengt. Bis zu diesem Ära hat die Menschheit von der Rendite des natürlichen Kapitals der Erde leben können. Seitdem sind wir jedoch dabei, dieses Kapital aufzuzehren. Der beschleunigte Bevölkerungszuwachs widerspiegelt sich in der Vermehrung der Megastädte (mit mehr als zehn Millionen Einwohnern). Gab es derer 1900 nur 12, 1950 hat sich die Anzahl gestiegen auf 58, 1975 bereits auf 211, und 2006 auf nicht weniger als 408. Dazu gehören u.a. Mexico City (über 20 Millionen Einwohner), New York, Istanbul, Kairo, Mumbai und Tokyo.1
Der beispiellos schnelle Zuwachs der Weltbevölkerung – zwischen 1950 und 2005 ist sie um 160 Prozent von 2,5 auf etwa 6,5 Milliarden Menschen gestiegen, und 2050 wird es voraussichtlich mehr als 9 Milliarden Menschen geben – führt bekanntlich zu einer Reihe von Negativfolgen: zweifellos zu Umweltschäden und zur Beeinträchtigung der Lebensqualität und Ausschöpfung der natürlichen Hilfsquellen – wir verbrauchen zur Zeit bereits 20 Prozent mehr als die Erde verkraften kann – , aber auch zu exzessiver Verstädterung und Landflucht, woraus die vorgenannten Megastädte resultieren, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Elendsvierteln lebt; weiterhin zu massenhafter Arbeitslosigkeit und Armut, Verkehrsverstopfung, Migrantenströmen von Süd nach Nord usw. Ich weise darauf hin, dass die zunehmende Urbanisation der Weltbevölkerung in dem 2007 erschienenen Weltreport der UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der VN, zu Unrecht als kein großes Problem angesehen wird. Seit diesem Jahr wohnt bereits mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. 2030 wird dieser Prozentsatz auf etwa 60 ansteigen. Zu der Zeit wird es sich um annähernd fünf Milliarden Menschen handeln. Städte bieten, so behauptet der Report, mehr Möglichkeiten wirtschaftlichen Wachstums und bessere Chancen, der Armut und sozialen Isolierung zu entkommen.2
Zwingen massenhafte Armut und Arbeitslosigkeit in großen Teilen der Welt zu einem dauerhaften Wirtschaftswachstum, zugleich bildet dieses eine Schlüsselkomponente der Nachhaltigkeitsproblematik. Das Streben nach wirtschaftlicher Dauerentwicklung als Ergebnis westlich-liberalen Fortschrittsglaubens hat eine neue Dimension bekommen: die der nachhaltigen Entwicklung. Kurz gesagt läuft es auf die Stellungnahme hinaus, dass die ökologische Tragfläche der Erde durch das Wachstum nicht schwerer sich belastet werden darf. Dabei wird vorausgesetzt, dass fortschreitendes Wirtschaftswachstum sich nicht nur ausgezeichnet mit Umwelterhaltung und Umweltverbesserung verträgt, sondern auch für ihre Finanzierung unumgänglich ist. Vorrangiges Ziel ist es, so lautet eine Schlussfolgerung der liberalen Nachhaltigkeitsauffassung, Wirtschaftswachstum und Umwelterhaltung miteinander zu verknüpfen. Ohne Wirtschaftsentwicklung reichen für die Umwelterhaltung weder die Tragfläche, noch die Kenntnisse und das Kapital aus. Fazit: eine komfortable Win-Win-Situation. Im vorgenannten Themaheft über nachhaltige Entwicklung wurde diese Win-Win-Situation jedoch zur Diskussion gestellt bzw. glatt verneint. Bei der gängigen Denk- und Lebensart der modernen Gesellschaft und Kultur sei nachhaltige Entwicklung bloß eine fromme Illusion, laut diesen Kritikern. Der französische Präsident Nicholas Sarkozy, der, rechts eingestuft, vor wenigen Jahren die ökologische Problematik als modische Laune abgetan hat, ist mittlerweile auch einsichtig geworden und hat eine umfangreiche ökologische Umwandlung in Frankreich angekündigt.

3.       Recht auf nachhaltige Entwicklung
Indes ist das Recht auf nachhaltige Entwicklung der Kategorie kollektiver Rechte als Drittgeneration der globalen Ideologie der Menschenrechte hinzugefügt. Juristisch ist dieses Recht jedoch schwer zu operationalisieren. Es ist unklar, wer das Rechtssubjekt ist, und gegen wen oder was es zur Geltung gebracht werden kann. Die Effektivierung dieses Rechts hängt hauptsächlich von politischen Faktoren ab. Wir können dieses Recht, wie die übrigen kollektiven Menschenrechte, deshalb am besten als eine international anerkannte politische Zielsetzung ansehen. Für ihre Verwirklichung hat man seine Hoffnung vor allem auf technologische Innovation gesetzt. Diese ist sicherlich nötig, aber kein Allheilmittel. Seit kurzem ist nachhaltige Entwicklung zum Thema einer neuen wissenschaftlichen Disziplin geworden (‘sustainable management’), die sich mit der Steuerung von Veränderungsprozessen in Richtung nachhaltiger Entwicklung befasst.
Die Praxis nachhaltiger Entwicklung bleibt bislang weit hinter dem zurück, was vorhin als politische Zielsetzung formuliert wurde. Von den großen Umweltzielen, die 1987 im bekannten Bericht Our Common Future des Brundland-Ausschusses formuliert wurden, hat sich kein einziges seiner Verwirklichung auch nur einigermaßen genähert. Dies ist um so beängstigender, als die Weltbevölkerung um 34% angestiegen ist, die Welthandel sich weiter ausgedehnt und die CO2-Emission um ein Drittel zugenommen hat. Jedem Kopf der Weltbevölkerung steht immer weniger zuverlässiges Trinkwasser zur Verfügung.3

4.       Änderung des Lebensstils
Wenn wir wahrhaftig nachhaltige Entwicklung herbeiführen wollen, müssen wir dazu bereit sein, zwei heilige Kühe zur Diskussion zu stellen: erstens die Produktions- und Konsumsucht, auf denen die gängige wirtschaftliche Entwicklungsperspektive des Weltkapitalismus basiert und die bereits während der kulturellen Revolte der 60. Jahre diskutiert wurden, und zweitens den hemmungslosen Bevölkerungszuwachs in weiten Regionen der Welt, anders gesagt: die ‘Populationsbombe’ (population bomb) bzw. ‘Populationsexplosion’ (population explosion), wie ihn besorgte Autoren genannt haben.4
Wer sich die erste heilige Kuh vornimmt, wird auf riesige politische Empfindlichkeiten stoßen. Laut der bekannten Theorie von Max Weber5 liegt eine asketische, in der protestantischen Ethik jener Tage verwurzelte Lebensweise dem Aufkommen des Kapitalismus zugrunde. In seiner vollendeten Form hat dieses Wirtschaftssystem jedoch einen Lebensstil der Unmäßigkeit hervorgebracht, die die Lebensqualität unseres Planeten derart gefährdet, dass nicht nur ökologisch vertretbare Produktionsweisen, sondern auch ein damit verbundener, auf Nachhaltigkeit ausgerichteter Lebens- und Konsumstil ein Gebot der Zeit zu werden scheinen. Wie wichtig dies auch aus ökologischem Gesichtspunkt ist, wird in dem Beitrag von Jan Juffermans in diesem Heft überaus klar dargelegt. Aber es ist auch besser für die schlanke Linie. Fettleibigkeit (Obesitas) infolge Konsumsucht wird immer mehr als Bedrohung der Volksgesundheit erfahren und anerkannt, auch in den Niederlanden. Etwa die Hälfte der Bevölkerung leidet dort am Übergewicht. Eins aus acht Kindern ist überschwer. In den US ist es weitaus schlimmer. Da gilt es als patriotische Pflicht, soviel zu konsumieren und Geld auszugeben als nötig, um die Wirtschaft in Schwung zu halten und einen Rückfall der wirtschaftlichen Entwicklung vorzubeugen. Aus diesem Grund hat Präsident Bush durch eine von der Zentralbank mit einer großzügigen Zinsverringerung unterstützte Steuerherabsetzung – die größte seit einem Vierteljahrhundert – versucht, einen wirtschaftlichen Rückfall und damit eine Rezession zu verhüten. Dies sei ordentliche Keynessche Nachfrageförderung, so Alfred Kleinknecht, Wirtschaftsprofessor der Innovation der Universität Delft. Er ist erstaunt und deutet diese Maßnahme als einer Wiederbelebung linker Ideologien durch einen rechten Präsidenten. Für mich ist es eher ein Notsprung eines rechten Präsidenten, der es ohnehin schwer hat mit seinen historischen Errungenschaften.
Die dringliche Frage ist, inwieweit sich überhaupt eine umfassende Umorientierung in einer liberalen Wirtschaft und Demokratie verwirklichen lässt, in denen wirtschaftliches und politisches Verhalten in einem übergroßen Ausmaß durch Konkurrenz bestimmt werden und Wohlfahrtswachstum als eine grundsätzliche Voraussetzung gilt. Die Frage bedeutet einen neuen ‘testcase’ für das liberal-kapitalistische Projekt der Moderne. Die Zukunft dieses Projekts hängt im Wesentlichen von der Antwort auf diese Frage ab. Bis jetzt streiten sich die Meinungen über die Antwort.6 Allem Anschein nach gewinnt die Idee sozial verantwortungsvollen Unternehmens und Konsumierens immer mehr an Grund. Indes handelt es sich um etwas Unverbindliches. Aus einer rezenten weltweiten Untersuchung unter Managern in puncto nachhaltigen Unternehmens ergab sich, dass über 30% von ihnen sich nur aus PR-Gründen dafür einsetzen, das heißt aus Imago-Überlegungen. Daher auch die Befürwortung des Pflichtcharakters sozial verantwortungsvollen Unternehmens, u.a. durch die Verpflichtung integrierter Jahresberichte, inklusive Berichterstattung einer Reihe fester Umweltkennziffern und Zuerteilung der Endverantwortung für das Umweltdossier an den Vorsitzenden des Aufsichtsrates.
Auch wer sich die zweite heilige Kuh vornimmt, wird auf riesige politische Empfindlichkeiten stoßen. Dies erfährt z.B. die Stiftung gegen Überbevölkerung in den Niederlanden, die seit Jahren die Aufmerksamkeit unverdrossen auf die entsprechende demographische Problematik lenkt, dafür aber kaum Beachtung findet. Auch in Kreisen des Natur- und Umweltschutzes möchte man diese Problematik lieber umgehen. Wer sie aufs Tapet bringt, läuft schnell die Gefahr, als Rechtssympathisant des Rassismus und Widerständler internationaler Migration abserviert zu werden, wie der ehemalige linke Politiker Michiel van Hulten bemerkt hat. Seit den 80. Jahren ist die Thematisierung dieser Problematik ein Tabu der Linken, insbesondere die Hervorhebung des Bevölkerungsdrucks im eigenen Lande. Bis zur Fortuyn-Revolte war es sogar eine Straftat, derer namens Zentrumdemokrat Henk Janmaat beschuldigt wurde.
In historischer Perspektive ist das äußerst kurios und überdies ein neues Beispiel von Hodiezentrismus, einem vollständigen Aufgehen in der heutigen Zeit und dem damit verbundenen kurzen politischen Gedächtnis. Am Anfang der 50. Jahre hat die Wiardi Beckman Stiftung, der wissenschaftliche Dienst der niederländischen Sozialdemokraten, der damals unter der Leitung des späteren Minister-Präsidenten Joop den Uyl stand, eine Kommission beauftragt, den Gehalt und die Normen einer Bevölkerungspolitik auszuarbeiten. 1955 erschien der Bericht dieser Kommission. In den 70. Jahren gab es die (konservative) Regierung Biesheuvel, die es für notwendig hielt, eine staatliche Kommission Bevölkerungsfragen zu ernennen. In dem Bericht dieser Kommission, derer Vorsitzender der Sozialist Pieter Muntendam war, wurde frank und frei eine Anzahl von Maßnahmen zur Verringerung des Bevölkerungsdrucks vorgeschlagen, unter denen eine Einschränkung der Einwanderung. 1979 verkündigte Königin Juliana im Namen der damaligen Regierung in der jährlichen Thronrede: ‘Unser Land is voll, zum Teil übervoll’.

6.       Die Zweiteilung Nord-Süd in demographischer Hinsicht
Die Zweiteilung, die den Ausgangspunkt dieses Themaheftes bildet, zeigt sich auch in der demographischen Entwicklung. Eine rapide Zunahme des Bevölkerungsumfangs in weiten Bereichen des Südens geht mit einer schnellen Abnahme der Geburtenziffern im Norden einher. Im Süden wächst die Bevölkerung in Nordafrika trotz der stark gestiegenen Sterbeziffern infolge der Aids-Epidemie am schnellsten. Seit 1960 ist die dortige Bevölkerung von 225 auf 751 Millionen angestiegen. Diese Zunahme bedroht das Wohlfahrtswachstum in stärkerem Maße als die Aids-Epidemie. Im Norden sinken die Geburtenziffern in Europa am meisten (durchschnittlich 1,4 Kind pro Frau; in den Niederlanden ist diese Rate etwas höher, im Durchschnitt 1,8 bis 1,9 Kind pro Frau). In den US ist die Senkung geringer. Da gibt es noch 2,1 Kind pro Frau infolge eines weit stärkeren Einflusses der Religion. Die Senkung wird durch die wachsende Zahl hochgebildeter Frauen verstärkt, die aus Laufbahngründen freiwillig kinderlos geblieben sind und dabei von Organisationen wie die World Child Free Association unterstützt werden. Diese Organisation will das Tabu, das nach wie vor auf freiwilliger Kinderlosigkeit lastet, durchbrechen. Entsprechend rezenten Daten des niederländischen statistischen Zentralamtes nimmt die Zahl der Frauen, die bewusst kinderlos bleiben, immer mehr zu. Insbesondere hochgebildete Frauen wählen häufiger für Kinderlosigkeit. Von diesen Frauen, die in den 50. Jahren geboren wurden, sind 25% kinderlos geblieben, gegen 10% der weniger Ausgebildeten.
Diese Senkungstendenz infolge der sexuellen Revolution seit den 60. Jahren sowie der zweiten feministischen Welle wird ganz unterschiedlich eingeschätzt. Der israelische Islamologe Raphael Israeli spricht mit Bezug auf Europa von demographischem Selbstmord und warnt in diesem Zusammenhang vor einem Aufmarsch des Islams wegen der dort rapide heranwachsenden Muslimbevölkerung, die sich mit jeder neuen Generation verdoppelt.7 Der kanadische Journalist und Kolumnist Mark Steyn tut Ähnliches und veröffentlicht sein Unheilszenario mit dem ominösen Titel It’s the Demography, stupid.8 Der Belgische Jurist und Publizist Pieter Huys deutet die Senkung als einen unvorstellbaren demographischen Kollaps und hält die legalisierte Abtreibung für die Hauptursache. In Anbetracht der Tatsache, dass nicht nur Bevölkerungszunahme, sondern auch Bevölkerungsschrumpf exponentiell verlaufen, warnt der deutsche Soziologe und Demograph Franz-Xaver Kaufmann vor einer schwierigen Lage nach 2020, sollte sich die Senkungstendenz durchsetzen. Das jetzige System sozialer Fürsorge sei dann nicht mehr aufrechtzuerhalten.9 Auch machtpolitische Überlegungen führen dazu, dass Bevölkerungsschrumpf als ein ernsthafte politische Frage angesehen wird. In Russland wird er sogar als eine demographische Katastrophe signalisiert und erfahren, die mit der Zeit der Machtposition des Landes auf der Weltbühne zum Verhängnis werden kann. Die russische Bevölkerung wird erwartungsgemäß bis 2050 von 145 auf 110 Millionen herabsenken. Der bekannte Vertreter des amerikanischen Neokonservatismus Irving Kristol betrachtet die Senkungstendenz als ein musterhaftes Beispiel westlicher Dekadenz. Wenn man von einem traditionell-christlichen Menschbild ausgeht, ist die Negativbewertung verständlich. Aus ökologischer und bevölkerungspolitischer Sicht sei diese Entwicklung eher erfreulich, so lautet die entgegengesetzte Meinung von Paul Gerbrands der niederländischen Stiftung gegen Überbevölkerung. Bewusst Leben ohne Kinder betrachtet er als einen begrüßenswerten Beitrag zur Reduzierung der Übervölkerung in der Welt.

7.       Hintergründe und Probleme der Süd-Nord-Migration
Die demographische Imbilanz des Nordens und Südens sowie die damit verbundene gähnende Wohlfahrtskluft erklären an sich die Migrationsströme von Süd nach Nord. Daher die Befürwortung einer Entwicklungshilfe, die verstärkt auf ein Zurückdrängen des Bevölkerungswachstums im Süden ausgerichtet ist. Migration ist zu einem neuen Zankapfel in der Politik westlicher Nationen ausgewachsen. Die dortige Vergreisung stellt uns vor neue Wohlfahrtsprobleme, wie den Erhalt der Sozialsicherheit, der Renten, adäquater Verpflegung u. dergl., sowie vor die Frage, wie die bevorstehenden strukturellen Arbeitsmarktdefizite zu bewältigen sind. Zu ihrer Lösung wird von mehreren Seiten eine großzügige sogenannte Zirkulationsmigration im Verbund mit der Entwicklung transnationalen Bürgertums vorgeschlagen. Die Europäische Kommission gehört gleichfalls zu ihrer Befürwortern. Ohne generöse Zulassung insbesondere hochgebildeter Arbeitnehmer von außen könne die Union ihre Lissabon-Zielsetzung, 2010 die konkurrenzfähigste Wirtschaft der Welt zu sein, nicht verwirklichen, laut der Kommission. Daher auch die Einführung einer europäischen Arbeitsgenehmigung (blue card), um Kenntnismigranten heranzuziehen, die nach zwei Jahren unionsweit arbeiten dürfen.
Im Zusammenhang mit der Ideologie der Menschenrechte und der Theorie des freien Marktes wird sogar eine weltweite Freizügigkeit als Richtlinie internationaler Gesetzgebung und Rechtsprache sowie als Voraussetzung einer Globalisierung des Arbeitsmarktes vorgeschlagen, damit jedermann wo auch immer in der Welt in die Lage versetzt wird, ein menschenwürdiges Leben im Einklang mit seinen individuellen Möglichkeiten und Ansichten zu führen. Die ebengenannte Zirkulationsmigration ist davon die erste praktische Ausarbeitung. Sie besagt, dass Migranten ständig ein- und auswandern dürfen. Für sie gilt Freizügigkeit bezüglich des Herkunfts- und Gastlandes. Ziel dabei ist, die Vorteile zu maximalisieren, indem brain drain verringert und brain circulation gefördert wird. Im Hinblick darauf dürfen weder die Interessen des Gastlandes, noch die des Herkunftslandes vorherrschen. Es ist ein Konzept, das in akademischen Kreisen immer mehr Anklang findet, aber zahlreichen politischen Hindernissen begegnet.10
Die Frage, ob Arbeitsmigration die richtige Antwort auf die Vergreisung ist, bleibt umstritten. Der wissenschaftliche Beirat für nationale Verwaltungsfragen in den Niederlanden sowie das dortige Zentralamt für Planung betrachten sie zur Not als ein Hilfsmittel, um zeitweise Ad hoc-Probleme zu lindern.11 Beide Institutionen machen allerdings eine Ausnahme für Migranten mit großem wirtschaftlichem Potential, die für schwer besetzbare Arbeitsplätze gebraucht werden. Arbeitsmigration, wie auch immer beschaffen, bleibt umstritten. Sie werde, laut anderen Kritikern, über brain drain eine weitere Zerspaltung von reichen und armen Ländern, Verschlechterung der Umwelt und Erschwerung des Bevölkerungsdrucks zur Folge haben. Dies fördert wieder die Auswanderung Hochgebildeter aus dem eigenen Land. Nach Daten des niederländischen Zentralamtes der Statistik übertrifft in den letzten Jahren die Emigration die Immigration. 2007 ist eine Rekordzahl der Niederländer ausgewandert: 126.000. Es ist die Erwartung, dass die heutige Zahl der Auswanderer konstant bleiben wird. Dass die Niederlande unter allen anderen Ländern der EU den größten Auswanderungsüberschuss haben, hängt vor allen Dingen mit dem zunehmenden Bevölkerungs- und Umweltdruck zusammen. Wenn auch Afrika (s. 5) weitaus den größten Bevölkerungszuwachs verzeichnet, bleibt dennoch ihre Bevölkerungsdichte bei die der Niederlande zurück.

8.       Bevölkerungspolitik in positiver und negativer Richtung
Mittlerweile wird wegen der Vergreisung in Europa die vorsichtige Frage laut, ob wir keine aktive Bevölkerungspolitik in positiver Richtung betreiben sollten, eine Politik, die auf das Hochtreiben der Geburtenziffer ausgerichtet ist. In Deutschland ist es schon ein ernsthaftes Diskussionsthema. 2004 erschien ein Buch des führenden deutschen Volkswirten Hans-Werner Sinn mit dem ominösen Titel: Ist Deutschland noch zu retten? Das Buch hat großes Interesse erregt. Im gleichen Jahr hat er in Amsterdam den Tinbergen-Vortrag gehalten mit dem vielsagenden Titel: Europe’s Demographic Deficit. A plea for Child Pension System. Er behauptet, dass Europa, aber vor allem Deutschland, durch die niedrige Geburtenziffer keine Zukunft mehr hat.12 Die Basis der Geburtenpyramide schmälert sich demnach immerzu. Dieser Prozess soll durch ein stark erhöhtes Kindergeld und Strafzahlungen für kinderlose Familien umgebogen werden. Im gleichen Sinn befürwortet der vorgenannte Demograph Kaufmann zum einen die Abziehbarkeit der Erziehungskosten der Kinder für die Eltern, zum andern eine Steuererhöhung für kinderlose Ehepaare.13 Wegen dieser Problematik ist zwischen 1990 und 2002 das Kindergeld in Deutschland versechsfacht. Dies hat die Geburtenziffer jedoch kaum beeinflusst. Sie schwankt nach wie vor um 1,3 Geburten pro Frau.
In den Niederlanden hat sich der Amsterdamer Volkswirt Bernard van Praag vorgewagt. Er begrüßt eine Bevölkerungspolitik, die mit zielgerichteten Maßnahmen Bestandserhaltung erzielen will, d.h. Fixierung der heutigen Zahl von etwa sechzehn Millionen Menschen. Konkret bedeutet das im Durchschnitt 2,1 Kinder pro Frau. In diesem Zusammenhang ist der Umschlag des Demographen Dirk van der Kaa als Mitglieds der vorgenannten staatlichen Kommission für Bevölkerungsfragen erwähnenswert. In dieser Funktion hat er sich 1977 noch für eine Abnahme der Migrationsdruck zwecks einer Verringerung der Bevölkerungszuname erklärt; infolge der Vergreisungsproblematik ist er davon zurückgekommen und plädiert er jetzt für eine selektive Migration anstelle einer Geburtenstimulanz.
Paul Gerbrands, Wortführer der Stiftung gegen Übervölkerung, verwirft Beides. Mit dem Demographen Gijs Beets des Interdisziplinären Demographischen Instituts begrüßt er gerade die Vergreisung. Beide betrachten sie als ein willkommenes Antidotum gegen die jetzige Überbevölkerung. Beets wendet sich deshalb gegen jegliche Bevölkerungspolitik. Gerbrands befürwortet eine aktive Bevölkerungspolitik, allerdings in negativer Richtung: eine weitere Verringerung des Bevölkerungsdrucks durch Steuerreize, Abschaffung bzw. Einschränkung geburtenfördernder Maßnahmen, Anregung einer Ein-Kind-Politik wie in China, überaus restriktive Zulassungsbeschränkungen und Ersetzung unserer Wachstumswirtschaft durch eine Schrumpfwirtschaft. Der linksorientierte Denker Arie van der Zwan möchte das Kindergeld auf zwei Kinder beschränken und es nur weniger Vermögenden zuerkennen. In diesem Zusammenhang erhebt sich die hochinteressante Frage, ob es überhaupt möglich ist, ein Optimum für einen akzeptablen Umfang der Bevölkerung zu definieren. Welche Kriterien gibt es für ihre Eingrenzung?
Der niederländische Minister für Jugend und Familie, André Rouvoet, hat sich in diesem Bereich vorgewagt, indem er wegen der Kosten der Vergreisung dazu aufgefordert hat, sich auf die ideale Geburtenziffer pro Frau zu besinnen. Indes führt jede Erhöhung nur zu einem größeren Bevölkerungsdruck in einem Land, das sowieso als voll erfahren wird. Für einen stabilen Bevölkerungsaufbau und Bevölkerungsumfang bedarf es einer Geburtenziffer von 2,1 Kinder pro Frau. Der jetzige Durchschnitt beläuft sich auf 1,7. Die ersten Reaktionen im Parlament waren durchaus ablehnend. Der obengenannte Demograph Beets weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bei einer Geburtenziffer von 2,1 Kindern pro Frau alljährlich 30 bis 40 Tausend Kinder hinzukommen.

9.       Entpolitisierung der Bevölkerungsfrage
Welchen Standpunkt muss man angesichts dieser komplexen und delikaten Nachhaltigkeitsproblematik einnehmen? Es wird auffallen, dass die Bevölkerungsfrage dabei wie bereits gesagt aus Angst außer Acht gelassen wird. Diese Missachtung trifft auch für die oben erwähnte liberale Auffassung der Nachhaltigkeit zu. Mit dieser Anschauungsweise sollte von politisch liberaler Seite gezeigt werden, dass die Umweltproblematik nicht länger ein typisches Thema der Linken sei. Dieses Themaheft hat wie gesagt die Absicht, bei einer Wiederaufnahme der Frage der nachhaltigen Entwicklung das Bevölkerungsproblem explizit mit zu berücksichtigen. Zugleich möchte es klarstellen, dass die Bevölkerungsfrage auch kein typisches Thema der Rechten ist. Eine Besinnung auf sie wird in diesem Heft im engen Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitsproblematik als eine gemeinsame Verantwortlichkeit über politische Grenzen hinweg dargestellt und demnach entpolitisiert. Wir hoffen, zu einer offenen Diskussion anzuregen, in der unterschiedliche Blickwinkel und Standpunkte vorgebracht werden können.

  1. Die Zeitschrift National Geographic kommt auf eine Gesamtzahl von 21 in 2011. Es dürfte z.Zt. 26 Megastädte (> 10 Millionen Einwohner) geben, von denen Tokyo die größte ist (> 32 Millionen) und Paris die kleinste (10,2 Millionen) [Anmerkung des Übersetzers].
  2. Indes verbrauchen Stadtbewohner im Durchschnitt weniger Energie und produzieren sie weniger Abfälle als Landbewohner [Anmerkung des Übersetzers].
  3. s. den 4. Umweltbericht GEO (Global Environmental Outlook), eine Veröffentlichung des United Nations Environment Programme (UNEP)
  4. Paul R. Ehrlich, Population Bomb, 1968; Paul R. Ehrlich und Anne H. Ehrlich, The Population Explosion, 1991
  5. Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist der Kapitalismus, 1920
  6. Entsprechend einer mehr gemäßigten technokratischen Auffassung, die sowohl bei einem Großteil der Umweltbewegung, als auch bei den Behörden Anklang findet, würde die Förderung ökologisch vernünftiger Produktions- und Konsumweisen durch Einführung von Steuern, Konvenanten, Umwelteffektbewertungen, Umweltplanung u. dergl. ausreichen. Demgegenüber steht die Auffassung der sogenannten grünradikalen Denker, die die Grundlagen der Gesellschaft als Ursachen der ökologischen Krise hinstellen und deshalb eine grundlegende gesellschaftliche Umwandlung für notwendig erachten. Dieser Radikalismus stößt jedoch auf großen Widerstand. Er wird mitunter als Ökofaschismus verpönt.
  7. Raphael Israeli, The Third Islamic Invasion, 2007
  8. Mark Steyn, It’s the Demography, stupid, Opinio, 12, 22. März 2007
  9. Siehe Franz-Xaver Kaufmann, Schrumpfende Gesellschaft. Vom Bevölkerungsrückgang und seinen Folgen, 2005
  10. Siehe Frans Bieckmann und Roelof Muskens, Circular migration. Creating a virtuous circle, The Broker, 1, 2007, pp. 10-14 http://www.thebrokeronline.eu/en/Magazine/articles/Creating-a-virtuous-circle
  11. s. Immigration and the Dutch Economy, Centraal Plan Bureau, Juni 2003
  12. Allerdings ist die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau seit dreißig Jahren unverändert. Was sinkt, ist die Geburtenrate – also die Zahl der Neugeborenen pro 1000. Das liegt aber an der steigenden Lebenserwartung: Je mehr ältere Menschen es gibt, desto niedriger ist der Anteil der fruchtbaren Frauen. [Anmerkung des Übersetzers]
  13. s. Franz-Xaver Kaufmann, a.a.O.

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