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Overpopulation Awareness is the website of Stiftung Der Klub der Zehn Millionen

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Die Welt ist für uns zu klein

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Richtig bevölkert, oder?

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Eine gute Umwelt beginnt mit der Bekämpfung der Überbevölkerung

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Mehret euch nicht

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Grenzen des Wachstums

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Bevölkerungsdruck und PKWeh

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Ehepaare mit Kinderwunsch sind für die Zukunft doppelt verantwortlich

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Überbevölkerung = Überkonsum

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Stopp die Ausschöpfung und Verseuchung der Erde

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Zu wenig Wohlfahrt für zu viel Menschen

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Wir lieben Menschen, aber nicht ihre Zahl

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Wir können die Menschheit nicht auf sich bewenden lassen

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Freitag, 05 März 2010 16:48

Kriterien

Ansatz zur Bestimmung von Kriterien für eine Bevölkerungspolitik
 
Verantwortung
Die Stiftung „De Club Van Tien Miljoen” (Der Club der zehn Millionen) versucht anhand eines Bewusstseinsprozesses, ein gesellschaftliches Fundament für eine Bevölkerungspolitik in den
Niederlanden und den anderen Ländern der Europäischen Union zu schaffen. Für die Niederlande lautet die angestrebte Zahl bisher zehn Millionen Einwohner.
 
Bei der Stiftung hat die Kriterienkommission anhand der vorliegenden Untersuchungsergebnisse Kriterien für eine Bevölkerungspolitik formuliert.
 
Eine Untersuchung wie diese hat auf jeden Fall einen spekulativen Charakter. Es gibt nur wenige Experten in Hinsicht auf die Problematik der Überbevölkerung. Nicht nur viele der systematisch zusammengetragenen und zuverlässigen Daten unterschiedlicher Organisationen widersprechen einander, auch die Methoden, wie diese Daten wurden weichen stark voneinander ab.
 
Die Lebensqualität auf der Erde für sowohl Menschen als auch Tiere und Pflanzen steht bei dieser Arbeit im Mittelpunkt. Wir betrachten diese Arbeit als einen Ansatzpunkt für eine Studie zu den Möglichkeiten, um den Planeten Erde, dessen ökologische Tragfähigkeit für das menschliche Handeln absolut ausschlaggebend ist, zu verwalten.
 
Auch wenn es sich als unmöglich erweisen sollte, gute Kriterien zu erarbeiten, ist es noch immer besser, weniger gute Kriterien als überhaupt keine zu haben, denn die derzeitige Weltbevölkerung zählt ca. sechs Milliarden Menschen. Diese Zahl steigt weiter an, während die Tragfähigkeit der Erde immer weiter beschränkt wird. Europa spielt dabei eine wichtige Rolle.
 
1. Einleitung
2. Wohlbefinden und Lebensstandard
3. Minimale Bevölkerungsgröße
4. Maximale Bevölkerungsgröße
5. Optimale Bevölkerungsgröße
6. Grundlegende Kriterien
7. Energie
8. Wasser
9. Verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche
10. Einschätzungen zu Nahrungsmitteln
11. Biodiversität und optimale Verteilungsdichte
12. Ökologisch produktives Land
13. Nahrungsmitteltransporte
14. Besondere Kriterien
15. Freiheit
16. Mobilität
17. Freizeit und Erholung
18. Tragfähigkeit
19. Schluss
 
Hinweise zur Literatur
 
1. Einleitung
Zu der drohenden Wahrscheinlichkeit einer Bevölkerungskrise wird von der Wissenschaft ein nahezu einhelliges Urteil gegeben. Die Union of Concerned Scientists, (www.ucsusa.org), ein Verband besorgter Wissenschaftler hat eine Schrift mit dem Titel World Scientists Warning to Humanity herausgegeben, (http://deoxy.org/sciwarn.htm) in der angeführt wird, dass die zerstörerische Kraft des Menschen das Leben in seiner heutigen Form auf der Erde wahrscheinlich unmöglich machen wird.
Allerdings widersetzen sich einflussreiche religiöse, politische und wirtschaftliche Kräfte dagegen, eine Lösung für das Problem der Überbevölkerung zu finden. Von diesen Kräften wird bestritten, dass das Bevölkerungswachstum letztendlich der Hauptgrund vieler und zu guter Letzt möglicherweise aller Probleme in der Welt ist. Auf jeden Fall stellt die zunehmende Überbevölkerung eine der größten Bedrohungen für die Lebensqualität von Menschen, Tieren und Pflanzen dar. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Überbevölkerung bedeutet deshalb noch lange nicht, dass alle anderen Probleme ignoriert werden.
 
Die Haltung der Regierungen in Bezug auf die Überbevölkerung weicht häufig stark voneinander ab. Das ‘Population Reference Bureau‘ in Washington veröffentlicht jedes Jahr eine Weltbevölkerungsübersicht (www.prb.org and www.census.gov). In dieser Übersicht wurden die Einschätzungen der Regierungen in Hinsicht auf die eigene Bevölkerungsgröße aufgenommen. In der Ausgabe 1995 werden 40 europäische Länder genannt. In 24 Ländern wurde die Zahl der Kinder pro Frau als befriedigend eingestuft (weder in Spanien noch in Italien fand man 1,2 Kinder pro Frau zu niedrig), während in 15 Ländern die Kinderzahl als zu niedrig bewertet wurde. Nur in Mazedonien beurteilte man die eigenen Geburtszahlen mit 2,2 als zu hoch.
 
In der Vergangenheit sind in Großbritannien (1949), den Vereinigten Staaten (1973) und den Niederlanden (1977, Muntendam) von Regierungskommissionen Berichte zur Bevölkerungsentwicklung veröffentlich worden. Überall lautete die Quintessenz: Es muss eine gleichbleibende beziehungsweise niedrigere Bevölkerungszahl angestrebt werden. Die Schlussfolgerungen waren politisch gesehen allerdings nicht opportun, so dass die Berichte in der Schublade verschwanden. Die Politik in den europäischen Ländern zeigt sich zwar besorgt, aber dies bezieht sich einerseits nur auf die Kinderzahl per Frau in Bezug auf das ungünstige Verhältnis zwischen Aktiven und Inaktiven, und andererseits nur auf den Mangel an Arbeitskräften. Jeremy Rifkin weist in seinem Buch „Die dritte Industrielle Revolution“ nach, dass dieser Punkt kein Grund zur Sorge ist. Im ein und zwanzigsten Jahrhundert kommt es gerade zu viel ungenutzter menschlicher Arbeitskraft: Das bedeutet Arbeitslosigkeit.
 
Das Bevölkerungswachstum stellt bereits – oder dies wird in kürzester Zeit der Fall sein – eine großes Problem für die gesamte Erde dar; und zwar sowohl für den Menschen selbst, als auch für die Tier- und Pflanzenwelt. Jeden Tag nimmt die Weltbevölkerung um 250.000 Menschen zu: Das sind alle vier Tage eine Million Menschen. Das bedeutet 90 Millionen Menschen im Jahr. Die Weltbevölkerung zählte um
 
1820 1 Milliarde
1930 2 Milliarden
1960 2 Milliarden
1977 2 Milliarden
1987 2 Milliarden
1999 2 Milliarden
2011 2 Milliarden Menschen
 

Solange dieses Unheil die Welt heimsucht, sind alle Worte über Nachhaltigkeit nicht mehr als hohle Phrasen. Es entbehrt jedweder Logik, zu behaupten, dass die Schwierigkeiten in den einzelnen Ländern nicht auf die Überbevölkerung zurückzuführen seien.

Die Niederlande und Japan sind Musterbeispiele für eine hohe Bevölkerungsdichte bei einer gleichzeitig hohen Wohlfahrt. Allerdings sind diese hochspezialisierten Industrienationen von großen Importen an Rohstoffen und Nahrungsmitteln aus dem Rest der Welt abhängig. Jedes Land führt sowohl eine eigene Wirtschafts- und Auslands- als auch eine eigene Finanzpolitik. Es ist allerhöchste Zeit, um in aller Öffentlichkeit über die Notwendigkeit einer Bevölkerungspolitik zu sprechen.
 
Die Bevölkerungspolitik darf sich nicht nur auf das Wachstum einer Bevölkerung beschränken, wenn diese auf ihre eigenen physikalischen Grenzen stößt, wie dies in China und Indien der Fall ist.
Das Spektrum einer Bevölkerungspolitik muss umfassend sein. Sie könnte Faktoren im eigenen Interesse der Menschen umfassen wie eine gesunde Ernährung oder das Bewusstsein für den Erhalt der Natur. Bevölkerungspolitik heißt zum Beispiel: Weniger Häuser, weniger Verstädterung, weniger Autos, weniger Regeln, weniger Verbrechen, weniger Bioindustrie, weniger Verschmutzung und auch eine geringere Belastung für Naturgebiete sowie weniger Arbeitslosigkeit.
 
Wichtiger Bestandteil einer solchen Politik sollten auch das Schaffen von mehr ländlichen Gebieten, mehr Platz, mehr Ruhe, mehr Natur, mehr sauberen Stränden und Flüssen sein. Ein wichtiger Stellenwert sollte ebenfalls die natürlichen Ressourcen einnehmen. Das gemeinsame Erbe und die Interessen der heutigen und künftigen Generationen sollten selbstverständlich ebenfalls einen grundlegenden Anteil daran haben.
 
In dieser Arbeit werden Teilbereiche dargestellt, und zwar sowohl selbstständig als auch in ihrem Zusammenhang miteinander. Diese Arbeit erhebt keineswegs den Anspruch der Vollständigkeit.
 
2. Wohlbefinden und Lebensstandard
Die Faktoren Wohlbefinden und Lebensstandard entscheiden über die Lebensqualität. Bei Wohlbefinden oder Glück handelt es sich um Begriffe, die in der Politik selten oder niemals verwendet werden. Für die Verbesserung des menschlichen Wohlbefindens als eigenständige Größe werden vom Staat keine Maßnahmen ergriffen. Eine Verbesserung des Lebensstandards trägt in hohem Maße zu einem größeren Wohlbefinden bei. Das Bedürfnis nach einem höheren Lebensstandard ist häufiger auf eine materielle Notwendigkeit als auf ein immaterielles Bedürfnis zurückzuführen. Tatsache ist, dass vor allem für arme Menschen ein Wachstum des Einkommens und eine Zunahme der wirtschaftlichen Möglichkeiten eine ausschlaggebende Vorbedingung für ihre Entwicklung als Mensch sind.
 
Die Frage, wann jemand glücklich ist oder wird, ist sehr persönlich. Als Fortsetzung zu dem allseits bekannten ‘Primum vivere deinde filosofari‘ (Erst leben und dann kommt philosophieren) hat der Psychologe Maslow die Reihenfolge der menschlichen Prioritäten wissenschaftlich formuliert. Der Mensch ist auf der Suche nach Antworten für seine wichtigsten Fragen. Der Mensch will aus seinem Leben etwas machen, er will aus sich selbst heraus etwas erreichen. (http://en.wikipeadia.org (Maslow) Ein Mensch hat ein Bedürfnis nach Nahrung, für die er arbeiten muss. Anschließend will ein Mensch nicht unter Kälte leiden; er sucht Schutz, Geborgenheit und ein gewisses Maß an Kontinuität in seinem Leben. Auch eine sinnvolle Gestaltung seiner Gedankenwelt ist ihm wichtig. Selbstverständlich spielt ebenfalls eine Vielzahl psychologischer Faktoren eine Rolle. Im Allgemeinen wird das menschliche Wohlbefinden eher erreicht, wenn mehr unserer Basisbedürfnisse befriedigt werden.
 
Das menschliche Wohlbefinden an sich lässt sich nicht messen. Daher ist es unmöglich, hierfür Kriterien zu entwickeln. Der Lebensstandard kann allerdings gemessen werden. Das Bruttonationaleinkommen wird hierfür als eine Art sozial-ökonomischer Gradmesser verwendet. Hiermit wird die Wohlfahrt in einem bestimmten Maß angegeben. Tatsächlich liegt ein Verhältnis zwischen einer Erhöhung des nationalen Einkommens und einer Verbesserung beim Empfinden des Wohlbefindens vor, und zwar sowohl auf Makro- als auch auf Mikro-Ebene. Unbezahlte Arbeiten im Haushalt und ehrenamtliche Tätigkeiten zum Beispiel werden allerdings beim nationalen Einkommen nicht berücksichtigt. Auch Rohstoffe, die der Erde entzogen werden, werden dabei nicht einbezogen. Andererseits werden wirtschaftliche Tätigkeiten, die Umweltschäden verursachen, wohl als Einkünfte veranschlagt, wobei die Schäden nur verrechnet werden, insofern Instandsetzungskosten anfallen.
 
Das nationale Einkommen zeigt dann möglicherweise einen bestimmten Lebensstandard an, nicht aber den tatsächlichen Wert der menschlichen Aktivitäten. Dass anhand des Bruttoinlandsproduktes (BIP) die Lebensqualität und somit vielleicht ein Stück des menschlichen Glücks gemessen werden können, scheint daher ein Trugschluss zu sein.
 
Es sind auch besondere Methoden entwickelt worden, den Lebensstandard des menschlichen Lebens (seiner Lebensqualität) zu messen. Ein Kriterium, das seit 1990 verwendet wird, ist der Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, HDI) der Vereinten Nationen. Auf diese Weise wird versucht, das menschliche Wohlbefinden genauer zu erfassen ( http://hdr.undp.org/en ). Diese Methode enthält ein äußerst kompliziertes Berechnungssystem auf der Grundlage von mehr als 500 Angaben; der Index beruht letztendlich jedoch auf drei Zahlenwerten: Lebenserwartung, durchschnittliche Schulbildung und Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung.
1991 ist eine neue Einteilung für den HDI ausgearbeitet worden, bei dem zum Einen auch das Geschlecht und zum Anderen die Einkommensverteilung berücksichtigt werden.
Bei Messungen auf der Grundlage dieser genannten Kriterien stehen drei Länder an der Spitze: Kanada, Norwegen und Schweden haben eine Gemeinsamkeit: nämlich eine äußerst niedrige Bevölkerungsdichte.
 
3. Minimale Bevölkerungsgröße
David Willey, der Verfasser des bisher noch nicht veröffentlichten „Optimum Population for Europe“ spricht zunächst von einem Minimum, dann von einem Maximum, um letztendlich mit einem Optimum zu schließen. Es scheint tatsächlich sinnvoll zu sein, zuerst die beiden Extreme - eine Mindest - und eine Maximalbevölkerung - eingehend zu untersuchen, damit als Kompromiss ein Optimum formuliert werden kann.
 
Welchen Umfang kann die Mindestbevölkerungszahl haben, wenn maximale Bedingungen oder Entscheidungen für eine gute Lebensqualität für alle - überall und jederzeit - angestrebt werden? Vorweg muss gesagt werden, dass eine Mindest- oder eine Höchstzahl bei der Bevölkerung ein zeitgebundener Wert sind. Wie sich die Situation in hundert Jahren entwickeln wird, lässt sich jetzt nur schwer erraten.
 
Nun stellt sich die Frage, ob eine Gesellschaft mit einer kleinen Bevölkerung wirtschaftlich gesehen reizvoll ist. Die Wirtschaft eines Landes mit einer kleinen Bevölkerung hat ein beschränktes Absatzgebiet. Aber auch die Umweltbelastung und der Rohstoffverbrauch sind entsprechend kleiner. Gleichwohl ist eine Mindestbevölkerung wirtschaftlich gesehen möglicherweise weniger relevant. Viele Firmen mit avancierten Fertigungsverfahren sind schließlich multinational oder verfügen weltweit über große Absatzmärkte für ihre Produkte. Deshalb drängt sich der Schluss auf, dass sich Kriterien für eine Mindestanzahl der Bevölkerung pro Land oder Gebiet nur schwerlich festsetzen lassen.
 
Eine gewisse Größe beim Umfang ist in einer nationalen Wirtschaft die Folge einer bewussten Entscheidung. Was allerdings tun Menschen mit zu viel individueller Kaufkraft? Spielen sie eine andere wirtschaftliche Rolle als viele Menschen mit einer geringen individuellen Kaufkraft? Mit anderen Worten: Kauft eine halbe Million wohlhabender Niederländer mehr Kühlschränke als zwei Millionen armer Niederländer. Oder eher weniger? Das hängt sicherlich auch von den Kühlschränken ab.
Vor Ort wird eine bestimmte Anzahl an Kunden benötigt, damit sich zum Beispiel ein Drogeriemarkt in einem Dorf rentiert. Für ein Möbelgeschäft in einer Stadt wird eine größere Anzahl an Kunden gebraucht. Eine Mindestzahl von Abnehmern ist auf regionaler und örtlicher Ebene allerdings eine Anforderung, damit wirtschaftliche Aktivitäten beibehalten werden können. Dies gilt nicht auf überregionaler Ebene. Wie stark kann nun die Anzahl sinken, während gleichzeitig die Lebensqualität beibehalten wird und auch der Arbeitsmarkt davon beeinflusst wird? Diese Frage können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten.
 
Inwieweit kann die Sicherheit eines Landes mit einem Mindestmaß an Menschen gewährleistet werden? Je weniger Menschen in einem Land wohnen und je geringer die Konzentration der Bevölkerung ist, desto weniger verwundbar ist so ein Land.
 
Es lässt sich sagen, dass eine umfangreiche Bevölkerung ein Land verwundbarer macht, wenn es deshalb von dem Import von Nahrungsmitteln und anderen Rohstoffen abhängig ist. Wenn die Vereinigten Staaten eine halb so große Bevölkerung wie zurzeit hätten, wäre das Land nicht vom Öl aus dem Mittleren Osten abhängig.
 
Wird der technische Fortschritt bei einer minimalen Bevölkerungszahl überhaupt gewährleistet?
Häufig wird behauptet, dass ein Anreiz zur Schaffung technischer Neuerungen die Folge einer Notwendigkeit ist. Die Notwendigkeit wäre dann oft die Mutter des Erfindungsreichtums. Einer der Anreize, der in der Vergangenheit seine Auswirkungen gehabt hat, ist die Kriegsführung. Ein gewisses Maß des Bevölkerungswachstums hätte auch der Motor hinter dem technischen Fortschritt (gewesen) sein können. Allerdings ist zu bezweifeln, dass der technische Fortschritt die Folge des Anreizes ist, der durch das Bevölkerungswachstum entsteht. Möglicherweise empfinden manche das Bevölkerungswachstum als eine Belastung und versuchen sie, etwas zu finden, um eine Wende herbeizuführen. Für andere wiederum ist es wahrscheinlich eine Herausforderung, sich dem Problem der Überbevölkerung zu stellen, indem sie Erfindungen vorlegen, durch die die Überbevölkerung erträglich wird. Das ist höchstwahrscheinlich nicht das Bedürfnis des einzelnen Menschen, der den technischen Fortschritt bewirkt hat. Es scheint umgekehrt zu sein: Der technische Fortschritt hat das Bevölkerungswachstum ermöglicht und hält sich selbst intakt.
 
Die Frage, die weiterhin unbeantwortet bleibt, lautet, ob die westliche industrialisierte Welt, auch die Niederlande, Zugeständnisse in Hinsicht auf weniger (schnelle) technische Fortschritte zu machen bereit sind, wobei stattdessen die Entscheidung für eine Gesellschaft mit einer geringeren Bevölkerungszahl getroffen wird. Das heißt in anderen Worten: Entscheiden wir uns für weniger Menschen und möglicherweise für weniger technischen Fortschritt und weniger Luxus, um im Gegenzug von einer höheren Lebensqualität und einem besseren Wohlbefinden zu profitieren? Wir entscheiden uns für weniger Menschen zu Gunsten einer höheren Lebensqualität mit einem möglicherweise kleineren technischen Fortschritt.
 
4. Maximale Bevölkerungsgröße
Ein zentraler Begriff, der aus der Ökologie stammt, ist der Begriff der Tragfähigkeit. Die Tragfähigkeit entscheidet über die theoretische maximale Bevölkerungsdichte einer bestimmten Art, die durch die Ressourcen aus einem bestimmten Gebiet in Stand gehalten werden kann, ohne dass die Leistungsfähigkeit des Gebiets, die betreffende Art auch in Zukunft in Stand zu halten, beeinträchtigt wird.
 
Die Verwendung des Begriffes der Tragfähigkeit von unterschiedlichen Autoren hat, je nach den Kriterien, die dabei verwendet wurden, zu einer enormen Vielfalt der Schätzungen zur maximalen Weltbevölkerung geführt. Viele haben sich ausschließlich auf das Potenzial der Erde zur Erzeugung von Nahrungsmitteln gerichtet. Dabei wurden Faktoren wie Energie, Land, Boden, Platz, Krankheiten, Abfallentsorgung, Mineralien, Wald, Biodiversität, Stickstoff, Phosphor usw. völlig außer acht gelassen. Auch psychologische Faktoren wie Platz, Lärm, Ruhe und Stille werden selten oder niemals in Betracht gezogen.
 
Über die Kriterien für eine maximale Bevölkerungsgröße wird viel spekuliert. Bei einem vegetarischen Lebensstil, wie dies z. B. in Nepal praktiziert wird, soll auf der ganzen Erde eine Zahl von 12 Milliarden Menschen ernährt werden können, während bei den Lebensgewohnheiten, wie man sie in den USA hat, weltweit nur eine Milliarde Menschen ernährt werden könnten. Um das Maß der Nachhaltigkeit dieser amerikanischen Essgewohnheiten zu bestimmen, muss vor allem der Faktor Energie berücksichtigt werden. Dadurch wird nämlich ständig ein gewisser Lebensstandard gewährleistet. Wenn auf diese Weise gelebt werden würde, wäre auf unserer Erde nur Platz für zwei Milliarden Menschen.
 
Der Begriff der Tragfähigkeit kann auch mit den Begriffen der Ressourcen definiert werden: Holz, Fische, landwirtschaftliche Nutzfläche, die Fähigkeit der Umwelt zur Bewältigung von Verunreinigungen usw.
Bei diesem Gedankengang könnte man die Tragfähigkeit als ökologischen Raum umschreiben. Jeder Mensch müsste im weltweiten ökologischen Raum auf gleiche Weise konsumieren können. Gemäß dieser Definition würden wir mit dem Term der maximalen Bevölkerungsgröße die Zahl der Menschen bezeichnen, die bei einem bestimmten Lebensstandard den für sie verfügbaren ökologischen Raum vollständig benutzt.
 
5. Optimale Bevölkerungsgröße
Aber das maximal Mögliche braucht noch lange nicht ideal zu sein. Ein Land mit einer maximalen Anzahl an Menschen bietet möglicherweise für jeden von ihnen ein Haus oder eine Wohnung, aber wahrscheinlich nicht den Platz für einen Spaziergang in der freien Natur. Ein Land, in dem die Tragfähigkeit der Natur berücksichtigt wird, ein Land, das die Natur, von der der Mensch ein Bestandteil ist, in all ihren Fassetten respektiert, verfügt über eine optimale Flora und Fauna. Entsprechend müsste auch für eine Gemeinschaft von Menschen bestimmt werden, wann und inwieweit die Qualität des menschlichen Lebens auch langfristig gesehen auf eine Weise am besten garantiert ist, dass andere Gemeinschaften, die Flora, die Fauna und was wir sonst noch als Umwelt bezeichnen, nicht gefährdet, sondern gerade respektiert werden.
 
Außerdem muss untersucht werden, welche Anzahl Menschen für eine optimale Funktionsweise benötigt wird. Leider werden allzu oft ausschließlich die wirtschaftlichen Gesichtspunkte einer Sache in Betracht gezogen. Die Bevölkerung eines Landes kann eine gute und dauerhafte Qualität ihrer Existenz am besten gewährleisten, wenn sie Menschen in anderen Ländern keinen Schaden zufügt, eigene Nahrungsreserven, Rohstoffe und andere elementare Sachen zur Verfügung hat, über den Platz zur geistigen und körperlichen Entfaltung verfügt, sich Menschen in der Natur erholen können, sie dem Stress und Lärm des Alltags entfliehen können, und das Land auf diese Weise auch für kommende Generationen ein wertvolles Leben ermöglicht. All dasjenige, das für Menschen gilt, müsste dann ebenfalls für Tiere und Pflanzen gelten. Dann kann von einer optimalen Bevölkerung gesprochen werden.
 
Die optimale Bevölkerungsdichte liegt zwischen dem Höchst- und Mindestwert, aber etwas näher bei dem Minimum. Dies impliziert in unserer Definition eine angemessene Verteilung der Wohlfahrt unter allen Erdenbürgern, dies im Gegensatz zu der derzeitigen Situation. Wenn wir wirklich für all die Milliarden Menschen, deren Konsumniveau derzeit äußerst niedrig ist, eine gerechte Verteilung wünschen, müssen wir in unseren Berechnungen von einem viel größeren Pro-Kopf-Konsum der Bevölkerung als beim heutigen Durchschnitt ausgehen. Auf diese Weise ergeben sich überraschend niedrige Werte für eine optimale Bevölkerungsdichte. Für einige Aspekte sind vorsichtig ein paar Kriterien erarbeitet worden.
 
6. Grundlegende Kriterien
Hier wird zwischen grundlegenden und besonderen Kriterien unterschieden. Mit grundlegenden Kriterien werden der Höchstanzahl an Menschen in Bezug auf gewisse Rohstoffe, die für das menschliche Leben unverzichtbar sind, Grenzen gesetzt. Einige dieser Kriterien müssen weltweit, während andere nur regional oder landesweit festgesetzt werden. Einige Beispiele für diese Rohstoffe sind Energie, Wasser und landwirtschaftliche Nutzfläche. Bei diesen Beispielen und den sich dabei ergebenden Berechnungen ist bei der Art dieser Frage von dem derzeitigen Stand der Technik ausgegangen worden. Es kommt nicht zu Spekulationen in Hinsicht auf noch nicht gemachte Erfindungen, um die erkannten Probleme zu lösen.
 
Hier wird darauf abgezielt, bezüglich der derzeitigen Möglichkeiten und Mittel eine einigermaßen fundierte Einschätzung zu einer Weltbevölkerung mit einer lebenswerten Existenz zu machen. Sollten sich in Zukunft Entwicklungen ergeben, die höhere Bevölkerungszahlen als die der jetzt angeführten Werte rechtfertigen, kann immer noch der Entschluss zu einem geregelten Wachstum gefasst werden. Umgekehrte Argumentationen oder Spekulationen haben inzwischen zu den genannten Problemen geführt. Dies ist unserer Ansicht nach katastrophal.
 
Besondere Kriterien dienen als Gradmesser für all diejenigen Dinge, die nicht unbedingt für das menschliche Leben erforderlich sind, die es aber ein Stück angenehmer werden lassen. Auch diese Kriterien lassen sich oftmals nur regional bestimmen. Sie werden im weiteren Verlauf des Textes besprochen.
 
7. Energie
Die Zunahme beim Gebrauch fossiler Brandstoffe wie Öl, Gas und Steinkohle in den letzten 140 Jahren ist zur Hälfte auf den zugenommenen Bedarf des Menschen und zur anderen Hälfte auf das Wachstum der Bevölkerung zurückzuführen. Dieser Anstieg beim Gebrauch dieser Energiequellen hat zu einer starken Verunreinigung von Luft, Wasser und Erdreich geführt. Der ständige Gebrauch von Steinkohle, Gas und Öl als Brandstoff ist endlich und somit nur noch eine Frage der Zeit. Diese Brandstoffe gehen irgendwann einfach zur Neige.
 
Für die Verwendung von Sonnenenergie wird viel Oberfläche benötigt. Laut David Pimentel in seinem Bericht „Erneuerbare Energie“ aus dem Jahre 1994 bräuchte man ca. 20% der gesamten Oberfläche in Europa, um den gesamten Energiebedarf anhand von Sonnenenergie zu decken. Für die Windenergie wird ebenfalls eine große Oberfläche benötigt. Für Holz als Energiequelle wird gleichfalls eine große Oberfläche benötigt. Und bei einem ständigen Gebrauch von Holz ist das Ende des Holzvorrats schnell in Sicht. Über den Aspekt der Sicherheit beim Einsatz der Kernenergie - und in Zukunft möglicherweise der Kernfusion - ist bisher das letzte Wort noch nicht gesprochen worden.
 
Inzwischen wächst die Weltbevölkerung allmählich bis auf schätzungsweise 10 Milliarden Menschen im Jahre 2050 an. Für den gesamten weltweiten Energieverbrauch wurden 1994 noch 15 TWh benötigt. Nach Ansicht von John Holdren, Energiewissenschaftler an der Universität von Kalifornien, ist dieser Verbrauch bis 2050 auf 30 TWh angestiegen. Dies entspricht einer Verdopplung des gesamten Energieverbrauchs weltweit im Vergleich zu jetzt.
 
Der derzeitige Gesamtenergieverbrauch in den Entwicklungsländern beträgt durchschnittlich 1 kWh pro Person und Tag. In den Vereinigten Staaten liegt dieser Wert bei 12 kWh und in den anderen Industrieländern bei 7,5 kWh (hierbei ist der Energieverbrauch durch die Industrie nicht berücksichtigt worden).
 
Kann die Biosphäre dann überhaupt 30 TWh erbringen? Rohstoffe sind unersetzlich und können natürlich nur durch eine Wiederverwertung für eine weitere Nutzung erhalten werden. Um allerdings die Erhaltung von Ökosystemen zu garantieren, dürfte der Energieverbrauch nach Erkenntnissen von Paul Ehrlich, Biologe an der Stanford Universität in Kalifornien, weltweit 6 TWh im Jahr nicht übersteigen.
 
Bei einem Verbrauch von 3 kWh pro Kopf dürfte die Weltbevölkerung nicht mehr als zwei Milliarden Bewohner zählen. Hierfür ist eine drastische Abnahme der Weltbevölkerung bzw. ihres Energieverbrauches erforderlich. Folgt man dieser Argumentation, könnte nur ein Drittel der derzeitigen Weltbevölkerung mit Energie versorgt werden, wenn davon ausgegangen wird, dass in Zukunft der Energieverbrauch für jeden Erdenbürger gleich ist. Bei einer solchen Situation würden die Niederlande dann mit fünf Millionen Einwohnern einen entsprechenden Anteil des weltweiten Energiebedarfs für sich einfordern, außer wenn man sich hier mit einem noch geringeren Energieverbrauch pro Einwohner begnügen will.
 
8. Wasser
Die Verfügbarkeit von Süßwasser ist einer der wichtigsten Faktoren für das weltweite Bevölkerungswachstum. Nahezu 10% des gesamten verdunsteten Wassers, das entspricht ca. 49.000 km³, fällt als Regen oder Schnee wieder auf das Land. Fast zwei Drittel des gesamten auf dem Land gefallenen Wassers strömen durch die Flüsse direkt ins Meer. Das für den Menschen verfügbare Regenwasser wird auf 9.000 bis 14.000 km³ im Jahr geschätzt (1 km3 = 1 Milliarde m3).
 
Vor allem auf Grund des Bevölkerungswachstums ist die Verfügbarkeit von Wasser pro Kopf der Bevölkerung von 16.000 m³ pro Kopf im Jahr 1950 auf 7.4000 m³ im Jahr 1990 gesunken. Zwischen den einzelnen Ländern gibt es eine äußerst ungleiche Verteilung des Wassers. Isländern stehen jetzt mehr als 600.000 m² Wasser pro Kopf der Bevölkerung pro Jahr zur Verfügung, während die Menschen in Kuwait nur 75 m³ haben. China und Kanada bekommen die gleiche Niederschlagsmenge pro Hektar, aber im Durchschnitt steht einem Kanadier 50 Mal so viel Wasser wie einem Chinesen zur Verfügung.
 
In den USA liegt der durchschnittliche Verbrauch bei gut 700 Litern pro Person und Tag. Im Senegal liegt diese Zahl bei unter 30 Litern. Der persönliche Verbrauch von Wasser steigt bei zunehmendem Wohlstand. Der schwedische Wasserexperte Malin Falkenmark hat Normen für den Wasserverbrauch erarbeitet. Er führt unter anderem an, dass 100 Liter Wasser pro Person am Tag das Minimum sind, um gesund leben zu können. Er hat ebenfalls weitere Normen für den Wasserbedarf verfasst. 2000 m³ Wasser im Durchschnitt pro Kopf der Bevölkerung im Jahr sind eine für den Menschen notwendige Menge. Dies versteht sich einschließlich des Verbrauchs für die Landwirtschaft und die Industrie. Wenn die Wassermenge auf durchschnittlich 1700 m³ pro Kopf absinkt, ist Vorsicht geboten. Bei einem weiteren Absinken auf unter 1000 m³ werden sowohl die Gesundheit der Menschen als auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes beeinträchtigt. Diese Falkenmark-Norm von 1000 m³ wird von der Weltbank verwendet, die Subventionen für Bewässerungsprojekte vergibt. Unter 500 m³ wird von einer absoluten Knappheit gesprochen.
 
Ein Wassermangel kann zu Konflikten zwischen Ländern führen, die ihr Wasser aus dem gleichen Fluss beziehen. Manche Länder sind vollständig oder in hohem Maße auf das Wasser aus Flüssen angewiesen. Ägypten zum Beispiel ist zu 97% vom Nil abhängig. Die Niederlande beziehen 89% des Trinkwassers aus Flüssen, und auch Kambodscha ist zu 82% auf Flusswasser angewiesen. Wie empfindlich diese Länder auf Veränderungen reagieren, ist sicherlich deutlich.
 
Die Alternative für Regenwasser ist Grundwasser. Auch dieses Wasser kann nicht unbeschränkt verwendet werden. In Amerika wird viel Grundwasser für ganz unterschiedliche Zwecke verwendet. Es müssen immer leistungsstärkere Pumpen eingesetzt werden, bis sich der Einsatz irgendwann nicht mehr lohnt. Die Verfügbarkeit guten Wassers wird allmählich auch in den Niederlanden zu einem Problem. Nur anhand der Oberflächeninfiltration kann man der Nachfrage schon seit Langem nicht mehr entsprechen. Die folgenden drei Beispiele aus den Niederlanden sind ein Beweis dafür, dass weder Kosten noch Mühe gescheut werden, um Wasser zu bekommen: In den Dünen arbeitet man mit der Tiefeninfiltration, in Twente wird das Grundwasser aus einer Tiefe von 20 Metern nach oben gepumpt, und in der Umgebung von Barneveld wird Wasser hochgepumpt, dass vor 5000 Jahren als Niederschlag gefallen ist.
 
Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Qualität des Wassers von ausschlaggebender Bedeutung ist. Eine größere Verfügbarkeit von Wasser - ausgedrückt in Kubikmetern - kann sehr wohl zu einer Verschlechterung der Wasserqualität führen. Bekannt ist, wie einfach viele Krankheiten durch verunreinigtes Wasser übertragen werden können. Wie oben bereits gesagt, beträgt die geschätzte verfügbare Menge an Trinkwasser weltweit ca. 10.000 Milliarden m³ oder 10.000 km³. Wenn von einem Verbrauch von 2000 m³ Wasser pro Person ausgegangen wird, könnte eine Weltbevölkerung von fünf Milliarden Menschen optimal leben. Bei 1700 m³ pro Kopf, der Warngrenze, könnten insgesamt gerade einmal sechs Milliarden Menschen leben, aber das wäre kein optimaler Wert.
 
Da nun allerdings die Wasserversorgung so ortsabhängig ist, kann ein Bevölkerungsoptimum nur regional oder national bestimmt werden. So müsste ein Land wie Ägypten seine Bevölkerung von 70 auf 30 Millionen Einwohnern senken, um all seine Einwohner optimal leben lassen zu können. Marokko müsste von 30 auf 14 Millionen Menschen zurück, Polen von 39 auf 28 Millionen und Ruanda von 8 auf 3 Millionen Menschen. Die niederländische Bevölkerung müsste von 16 auf 10 Millionen schrumpfen.
Außerdem führt M. Weld an, dass in einigen Entwicklungsländern, in denen ein Mangel an Wasser und Nahrungsmitteln herrscht, das Wasser, das für die Landwirtschaft verwendet werden könnte, für die Industrie genutzt wird.
 
Eine interessante Tatsache ist, laut Frau Sandra Postel, dass mindestens 1000 Tonnen Wasser benötigt werden, um eine einzige Tonne Getreide von einer bewässerten landwirtschaftlichen Nutzfläche ernten zu können. Von dem gesamten Bauland weltweit werden 16% bewässert, wobei diese 16% zu 40% der weltweiten Erzeugung von Getreide führen. 1995 konsumierte die ganze Welt indirekt (über Fleisch) oder direkt 300 kg Getreide pro Kopf. Die Zahl von 300 kg Getreide pro Kopf bleibt mindestens gleich, aber die Bevölkerung wächst weiter von fünf bis auf sechs Milliarden Menschen. Allein schon für die jährlich neue Bevölkerung von 90 Millionen Erdenbürgern wird eine Menge von 27 Millionen Tonnen Getreide benötigt. Dafür sind 27 Milliarden m3 Wasser (d. h. 27 km3) zusätzlich erforderlich.
 
9. Verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche
Es sind mehrere Versuche unternommen worden, die Problematik im Bereich der Landwirtschaft zu quantifizieren. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass in der Fachliteratur feste Zahlenwerte fehlen. Doch sollen hier einige Zahlen genannt werden. Vaclav Smil von der Universität in Manitoba hat berechnet, dass für eine vor allem vegetarische Ernährung 0,07 Hektar Land pro Person benötigt werden.
David Pimentel von der Cornell Universität kam zu einem Wert von 0,5 Hektar pro Person bei einer ausgewogenen Ernährung ohne den Gebrauch von Kunstdünger und Pestiziden (1 km2 = 100 ha).
 
Das FAO halt nahezu jeden Boden für die Landwirtschaft als geeignet zu, ohne Aspekte wie Klima und Bodenqualität zu berücksichtigen. Marginales Land kann zwar verwendet werden, um dort Gewächse anzubauen; dies ist aber nicht auf nachhaltige Weise möglich. Erosion und Staubstürme zwingen die Bauern schon nach kurzer Zeit zum Weiterziehen. Auch das Fällen von Urwäldern für die vorübergehende Verwendung des Bodens als Weidegrund für Vieh bietet keine nachhaltige Lösung.
 
Ein Standpunkt zu der Problematik in der Landwirtschaft, der in erheblichem Maße von der Ansicht der Mehrheit abweicht, hat bei der Entschlussfassung einer Organisation der Vereinten Nationen im Vergleich zu einem nichtssagenden Kompromiss der 150 angeschlossenen Regierungen leider niemals eine Chance. So müsste laut dem FAO, welches andere Normen als die beteiligten Länder selbst verwendet, Australien über 49 Millionen Hektar Boden verfügen, der für die Landwirtschaft geeignet ist, und Kanada sogar über 46 Millionen Hektar. Nach diesen Zahlen des FAO müssten laut der Formel von Pimentel in Australien 98 Millionen Menschen und in Kanada 92 Millionen Menschen ernährt werden können.
 
Organisationen in Kanada selbst, die ihre landwirtschaftliche Nutzflächen in drei Kategorien (guten, mäßigen und schlechten Boden) eingeteilt haben, kommen zu dem Schluss, dass im Prinzip 4.100.000 Hektar Bodenfläche für die Landwirtschaft geeignet sind. In Australien hat man die landwirtschaftliche Nutzfläche in fünf Kategorien eingeteilt und errechnet, dass nur 2.300.000 Hektar für die Landwirtschaft geeignet sind.
Mit diesen zuletzt genannten Zahlen wäre laut Pimentel in Australien nur Platz für 4,6 Millionen Menschen.
 
Man könnte somit beinah behaupten, dass Länder wie Kanada und Australien, die große Mengen an Getreide exportieren, die moralische Pflicht haben, ihre Bevölkerungszahl auf einem niedrigen Stand zu halten. An wen sonst sollten sich die hungernden Länder wenden?
 
Wenn auch für die Niederlande die Norm von David Pimentel in Bezug auf 0,5 Hektar fruchtbaren Bodens pro Person angewendet werden würde, bräuchte nur noch bestimmt zu werden, wie viel fruchtbarer Boden die Niederlande für die eigene Versorgung mit Nahrung zur Verfügung haben, um berechnen zu können, für wie viele Menschen hier ein halber Hektar Bodenfläche verfügbar ist. Dabei muss allerdings in Betracht gezogen werden, dass eine große fruchtbare Bodenfläche als Sportfeld, als Naturgebiet, als Boden für den Anbau von Exportgewächsen und als Boden für die Produktion von Molkereiprodukten für den Export benötigt wird.
 
10. Einschätzungen zu Nahrungsmitteln
Die persönlichen Einschätzungen zum künftigen Bedarf an Nahrungsmitteln gehen stark auseinander. Gretchen Daily, eine wissenschaftliche Forscherin am Center for Conservation Biology der Stanford Universität, hat diesbezüglich Untersuchungen durchgeführt. Es ist tragisch, aber die große Vielfalt an Standpunkten in der landwirtschaftlichen Fachliteratur trägt zu einer Lähmung der Politik bei. Kein einziger Analytiker kann alle Aspekte des komplexen natürlichen sozioökonomischen Gefüges begreifen, in dem die Landwirtschaft eingebettet ist. Hierbei geht es um Aspekte wie Klima, Boden, Hydrologie, Energie, den internationalen Handel, Agrarpolitik, die Sozial- und Wirtschaftspolitik im Allgemeinen sowie Technologie und Kultur. Noch schwieriger wird es, einen integrierten holistischen Standpunkt für ein solch kompliziertes System wie Nahrungsmittel zu formulieren.
 
A-Optimismus
Eine aktuelle Studie des FAO beschreibt eine Zunahme an Nahrungsmitteln um 1,8% im Jahr in den nächsten 20 Jahren, eine Abnahme der Zahl der chronisch unterernährten Menschen in Südasien von 24% auf 12% sowie eine Zunahme des Ernährungsgehalts von 2500 auf 3000 Kalorien in Ostasien, dem Nahen Osten, Nordafrika und Lateinamerika im Jahre 2010. Es wird davon ausgegangen, dass 2020 nur noch 650 Millionen Menschen unterernährt sind; dies im Gegensatz zu der aktuellen Zahl von 800 Millionen heute. Die Bevölkerung in der unteren Sahara in Afrika zählt dann 300 Millionen unterernährte Menschen im Vergleich zu den 180 Millionen jetzt. Über den Anstieg der Erosion wird hier allerdings wenig gesagt. Prof. Tim Dyson von der London School of Economics beschreibt den gemäßigten und zynischen FAO-Optimismus in seinem Artikel ‘Population and Food‘. Aber trotz des Anstiegs des Nahrungskonsums pro Person in den meisten Gebieten sinkt der durchschnittliche Konsum pro Person global weiter, weil die Bevölkerung besonders in den Ländern mit der schlechtesten Nahrungssituation stetig wächst.
 
B-Pessimismus
Nach Ansicht von Lester Brown vom Worldwatch Institute stagniert die weltweite Nahrungsmittelproduktion vor allem aus den folgenden drei Gründen: An erster Stelle steht die Abnahme der landwirtschaftlichen Flächen auf Grund von Erosion und Urbanisierung. 80% der fortschreitenden Abholzung sind auf den Menschen zurückzuführen, der auf der Suche nach neuen landwirtschaftlichen Bodenflächen ist.
 
Als zweiter Aspekt kommt hinzu, dass immer weniger Kunstdünger verwendet wird, dessen schädliche Auswirkungen jetzt bekannt werden. Die intensive Landwirtschaft hängt stark von Mitteln wie Kunstdünger ab, die zum Großteil aus nur begrenzt verfügbaren fossilen Rohstoffen hergestellt werden und irgendwann nicht mehr vorhanden sind. Als dritter Punkt wird eine stagnierende Verfügbarkeit von Wasser für die Bewässerung festgestellt. Dies alles führt dazu, dass die landwirtschaftliche Produktion ihren Höhepunkt überschritten hat, und jetzt abnimmt.
 
Lester Brown bezeichnet China in seinem aktuellen Buch als einen wichtigen Testfall. Sogar wenn das chinesische Nahrungsangebot um ein Mindestmaß - zum Beispiel um nur einen Fisch in der Woche - zunimmt, bedeutet dies 1,2 Milliarden Fische wöchentlich mehr. Eine so kleine Verbesserung beim Nahrungsangebot bringt immense Folgen mit sich. Wenn die Chinesen pro Kopf genauso viel Fische wie die Japaner essen würden, wäre der weltweite Fischfang kaum ausreichend, um China mit Fischen zu versorgen. Die chinesische Nachfrage nach Getreide hat schon jetzt zu einem starken Anstieg des globalen Getreidepreises geführt. Der Lebensstandard in China wird schnell höher. In wirtschaftlichen Begriffen kann gesagt werden, dass es jetzt vier Chinas gibt, wo es vor 17 Jahren nur ein einziges China gab.
 
Bei der Bestimmung der Kriterien für eine optimale Bevölkerungszahl müssen die folgenden Prinzipien berücksichtigt werden.
 
  • Für die tägliche Ernährung - gleich welcher Zusammenstellung - müssen mindestens 3000 Kalorien pro Person verfügbar sein.
  • Die meisten Lebensmittel müssten aus der lokalen Erzeugung stammen.
  • Es müssten genügend Nahrungsmittel gelagert sein, um eine Zeit der Knappheit durch z. B. Trockenheit überbrücken zu können oder um im Stande zu sein, falsche Berechnungen auszugleichen.
  • Die Landwirtschaft dürfte nicht von anderen endlichen Energiequellen abhängig sein.
 
In Anbetracht dieser Einschränkungen ist es eher unwahrscheinlich, dass eine optimale Weltbevölkerung größer als drei Milliarden Menschen sein könnte.
 
11. Biodiversität und optimale Verteilungsdichte
Der Mensch hat sich in den letzten drei Jahrhunderten eine große Abnahme der Anzahl Tierarten zu Schulden kommen lassen. Von den vielen Millionen Tierarten sind 1,4 Millionen klassifiziert worden. Pro Jahr sterben viele hunderte Sorten aus.
Die Biodiversität von Ökosystemen ist für die Regulierung in Bezug auf grundlegende chemisch-physische Prozesse wie das Klima, die Verarbeitung von Abfallstoffen, die Wiederverwendung essenzieller Nährstoffe, die Bestäubung von Pflanzen und den Schutz vor Krankheiten erforderlich. Außerdem ist die Biodiversität von Ökosystemen für Hilfsquellen wie Süßwasser, Mutterboden und die Atmosphäre erforderlich.
Edward Wilso hat eine beklemmende Hypothese aufgestellt: „Wenn Insekten und andere auf dem Lande lebende Gliederfüßer auf einmal durch eine Katastrophe verschwänden, würde die Menschheit samt den anderen Säugetieren, den Vögeln, den Reptilien und den Amphibien innerhalb weniger Monate aussterben.“
 
Eine optimale Verteilungsdichte
Anhand ziemlich arbiträrer Faktoren kommt Joel Cohen zu einem gewünschten Verhältnis eines einzigen afrikanischen Elefanten pro 1000 Menschen und eines blauen Finnwals auf 8000 Menschen. Das ist natürlich ein netter Versuch, sich für die Tiere einzusetzen. Aber die Konsequenz der Schaffung eines ausreichend großen Lebensraumes für Tiere wie Elefanten, Tiger und Nashörnern in tropischen Gebieten könnte lauten, dass die Menschen aus diesen Gebieten wegziehen müssten, um Platz zu schaffen. Auch für das Überleben von zum Beispiel dem sibirischen Tiger reicht auf jeden Fall nur eine einzige Maßnahme zur Erhaltung eines natürlichen Reservates nicht aus. Außerdem kommt es durch Populationsinseln wegen des Mangels an genetischem Austausch zu Inzucht. Hinzu kommt, dass eine isolierte Population durch irgendeine Katastrophe mit einem Schlag ausgerottet werden kann. Und was für große Tiere gilt, gilt letztendlich auch für die kleinen Tierarten, und sogar für die Insekten. Einige Käferarten benötigen zum Überleben beispielsweise lange Verbindungswege. Eine Brücke für Rotwild oder ein Tunnel für Dachse ist als Beitrag zur Erhaltung der Tierwelt sicherlich eine lobenswerte Sache, aber doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Des Weiteren entbehrt es jeder Logik zu denken, dass ein Wasservogel sicherlich um ein mit Öl verseuchtes Stück herumfliegt, um das bloße Leben zu retten. Wie viel Prozent unserer Landfläche reservieren die Menschen in den Niederlanden für die ungestörte Natur? Oder besser gesagt: Wie viel Quadratkilometer unseres Grundgebiets wäre für die Erhaltung einer gesunden Flora und Fauna erforderlich? Oder noch einmal anders formuliert: Wie viel Land, das wir uns bereits für Straßen und Wohnungen zugeeignet haben, würden wir der Natur zurückzugeben? Es ist sicherlich eine Herausforderung, diese Berechnungen einmal anzustellen.
 
12. Ökologisch produktives Land
Der Begriff ökologisches produktives Land wird detailliert von Rees und Wackernagel in „Our ecological footprints“ erörtert. Es geht um den natürlichen Strom von Waren und Dienstleistungen, die dafür erforderlich sind, das menschliche und tierische Leben auf der Erde zu erhalten. Dieser Strom an Waren und Dienstleistungen kann als Einkommen aus natürlichem Kapital betrachtet werden. Jedes Ökosystem kann selbst auf Grund seiner eigenen Struktur und Vielfalt einen nachhaltigen Strom natürlichen Kapitals erzeugen, der für das Leben in einem solchen Ökosystem entscheidend ist.
 
Wie viel Bodenfläche ein Mensch braucht, um seinen Bedürfnissen als Verbraucher auf biologische und nachhaltige Weise gerecht zu werden, hängt von den Verbrauchsbedürfnissen des Menschen ab. Diese Verbrauchsbedürfnisse lassen sich in die folgenden Hauptkategorien einteilen: Nahrung, Obdach, Transport, Energie, Gebrauchsgüter und Dienstleistungen für die Entwicklung und die Gesundheitswesen. Um all diesen Bedürfnissen gerecht werden zu können, wird Land benötigt. Das Land, das auf der Grundlage der Kontinuität, alle verwendeten Ressourcen wieder anbieten zu können und die angefallenen Abfallprodukte zu assimilieren, benötigt wird, bezeichnet man als ökologisch produktives Land. Wie viel ökologisch produktives Land eine bestimmte menschliche Gemeinschaft benötigt, wird als der ökologische Fußabdruck definiert. Hierbei wird zwischen der Art des Bewuchses und der Kapazität zur Speicherung oder zum Abbau des Abfalls dieser Gemeinschaft unterschieden.
 Dank dem technischen Fortschritt haben wir uns mehr Raum geschaffen und sind jetzt dabei, diesen Raum zu füllen. Die Niederlande sind hierfür ein typisches Beispiel.
 
Unsere Erdkugel zählt 14,5 Milliarden Hektar Land und 36 Milliarden Hektar Meer. Nach Abzug der mit Eis bedeckten Polkappen, der Wüsten, der semiariden Gebieten sowie des unfruchtbaren Landes und des Brachlandes bleiben 8,9 Milliarden Hektar Landfläche für den menschlichen Gebrauch übrig. Wenn dieser Wert durch die derzeitige Zahl von 6 Milliarden Menschen auf der Erde geteilt wird, ergibt dies eine Landfläche von 1,5 Hektar per Einwohner. Pro Person und Art der Gemeinschaft kann der Bedarf an Land erheblich abweichen, aber es lässt sich ein deutlich ansteigender Trend mit dem Wunsch nach Lebensraum bei der Zunahme des Einkommens pro Individuum verzeichnen.
 
Der Mensch nutzt die Erde und ihre vielen Ressourcen häufiger und stärker (aus), als eigentlich verantwortungsbewusst ist. Wenn ein Zeitraum einer verantwortungslosen und belastenden Nutzung zu lange dauert, kann von Raubbau gesprochen werden: Das Land wird nun weniger produktiv. Statt dessen sollte der Mensch sein natürliches Kapital in Stand halten, um von den Zinsen zu leben. Die Realität sieht allerdings so aus, dass ein Land wie die Niederlande vom Kapital anderer zehrt. Die Niederlande nutzen eine Landoberfläche, die viele Male größer als ihr eigenes Land ist. Die meisten westlichen Länder außer Norwegen, Schweden und Kanada leben auf einem überdimensionalen Fußabdruck.
 
Rees und Wackernagel stellen fest, dass der Mensch ca. 1 Hektar Land für die ökologische Erzeugung von Energie aus Wasserkraft, Wind oder Sonnenenergie bzw. für das Pflanzen von Gewächsen, die fossile Brandstoffe ersetzen, benötigt. Als Beispiel für das zuletzt Genannte wird Ethanol angeführt. Auf einem Hektar Land könnte genügend Ethanol für eine Energieerzeugung von 100 GJ im Jahr produziert werden. Auf nur einem Hektar Land könnte der Energiebedarf von 3 kWh für einen einzigen Menschen gedeckt werden. Der Ertrag per Hektar wäre im Falle von Hydroelektrizität und Windenergie größer und in Bezug auf die verwendete Fläche noch günstiger. Es könnte ein Hektar für die ökologische Energieerzeugung pro Mensch veranschlagt werden.
 
Willey stellt fest, dass ca. 1. Hektar (Regen-)Wald pro Person für die Absorption von CO2, das bei der Energieerzeugung durch Verbrennung auf einer Ebene von 100 GJ im Jahr anfällt, benötigt wird. Außerdem kommt es natürlich zur Absorption von CO2 durch Plankton und Algen in den Weltmeeren; dies ist außer den Regenwäldern der wichtigste Auffang von CO2.
Zusammenfassend führt Willey an, dass pro Person ein bis zwei Hektar Land für die Nahrungsmittelversorgung und den weiteren Bedarf im menschlichen Leben erforderlich sind. Nach dieser globalen Bewertung wäre in den Niederlanden Platz für 5 bis 7 Millionen Menschen.
 
Wenn wir uns in einer besseren Welt um die Ökologie kümmern würden, das heißt um die Erhaltung der Erde und das Wohlbefinden der Menschen, Tiere und Pflanzen, müsste der ökologische Fußabdruck pro Mensch mindestens 3 Hektar groß sein. Selbstverständlich bleiben viele Bereiche an einer solchen Argumentation sehr wage, aber der gesamte Gedankengang weist deutlich in eine Richtung. Wenn diese Zahlen auf die Situation in den Niederlanden projektiert werden, fällt auf, dass die derzeitige Bevölkerung jetzt eine Landoberfläche in Beschlag nimmt, die 15 bis 20 Mal so groß wie die Niederlande selbst ist. Laut Rees und Wackernagel übersteigt der heutige Bedarf der Weltbevölkerung an Rohstoffen und an der Natur die Tragfähigkeit unserer Erde insgesamt bei Weitem.
 
13. Nahrungstransporte
Der Abstand zwischen dem Hersteller und dem Verbraucher von Nahrungsmitteln wird immer größer. Äpfel aus Neuseeland zum Beispiel legen eine Strecke von 22.000 km nach England zurück und der Weg von Bohnen aus Kenia nach England beträgt 6.400 km. Seit 1978 ist innerhalb der englischen Grenzen der Abstand des Warenverkehrs vom Erzeuger zum Konsumenten um mehr als 50% gestiegen. Die Zunahme des Transports von Lebensmitteln, Getränken und Tabak auf Straßen beträgt jetzt gut 33%. In den meisten anderen EU-Ländern ist die Situation nicht anders.
 
Die Transportkosten für die Schiffsladungen Obst aus Neuseeland ins belgische Antwerpen sind niedriger als die Kosten für den Transport der gleichen Ladung von Antwerpen nach Köln. Die Langstreckentransporte von Nahrungsmitteln verbrauchen unglaublich viel Energie. Ein solcher Transport ist nur möglich, weil die Kosten der fossilen Brandstoffe für Schiff und Flugzeug sehr niedrig sind, und die tatsächlichen Kosten für die verbrauchten Brandstoffe nicht widerspiegeln, was dagegen wohl in erheblichem Maße bei einem Kurzstreckentransport auf der Straße der Fall ist.
 
Langstreckentransporte von Nahrungsmitteln erfordern mehr Verpackungsmaterialien als bei einem Transport von Nahrungsmitteln, die für den örtlichen oder regionalen Verbrauch erzeugt worden sind. Ca. zwei Drittel aller Lebensmittelverpackungen für Langstrecken werden zum Schutz und zur Konservierung von Nahrungsmitteln und Getränken benötigt. Bei anderen Kosten, die sich nicht im Preis für die Lebensmittel niederschlagen, handelt es sich um die Verunreinigung von Boden, Wasser und Luft im Exportland.
 
Als Beispiel wird hier brasilianischer Orangensaft gewählt (O-Saft). Für jede Tonne Saft aus Brasilien, die in Deutschland verzehrt wird, werden mindestens 25 Tonnen an Material benötigt; dies versteht sich einschließlich 22 Tonnen Wasser und 0,1 Tonnen an Brandstoff. Wenn das deutsche Konsumverhalten für Orangensaft von der gesamten Weltbevölkerung übernommen werden würde, würden 130.000 km² Land für die Produktion all dieser Orangen benötigt werden. Der in Deutschland produzierte Johannissaft enthält genauso viele Vitamine wie der Orangensaft aus Brasilien. Aber für Johannisbeersaft werden viel weniger Ressourcen benötigt, weil dieser Saft ohne oder fast ohne schädliche Stoffe hergestellt wird. Für Johannisbeeren aus Deutschland ist keine Bewässerung erforderlich, und bei dem Verbrauch dort werden weniger Transporte als bei Saft aus Brasilien benötigt.
 
Um den Transport von Nahrungsmitteln einzuschränken, müsste die Erzeugung von Nahrungsmitteln weitestgehend im eigenen Land oder in nahe gelegenen Gebieten stattfinden. Dadurch braucht ein Land oder Gebiet zwar mehr Quadratkilometer an landwirtschaftlicher Nutzfläche, als wenn viele Gewächse eingeführt werden. Das heißt in anderen Worten: Wenn die Niederlande zum Beispiel Produkte wie Orangen und Kiwis nicht mehr importieren würden, käme es zu einem um durchschnittlich 0,5 Hektar größeren Bedarf an fruchtbarem Boden pro Person. Demgegenüber steht, dass bei den Verpackungsmaterialien und der Energie für den Transport von Nahrungsmitteln erheblich gespart werden könnte. Interessant, aber vorläufig nicht machbar, wäre es, eine Messung durchzuführen, wie viel Verpackungsmaterialien und Energie ein Niederländer durchschnittlich pro Person weniger verbrauchen könnte. Die Antwort auf die Frage, inwieweit dadurch für die weniger wohlhabenden Länder dieser Erde mehr Energie zur Verfügung stünde, wäre sicherlich enthüllend. Die zweite Frage würde lauten, wie viel Bäume nicht gefällt zu werden brauchten.
 
14. Besondere Kriterien
Diese Kategorie mit Kriterien könnte eine scheinbar unbegrenzte Liste von Themen enthalten, wobei es sich bei den Themen um alles handeln kann, was die Lebensqualität des Menschen beeinflusst. Die besprochenen Themen sind somit nicht mehr als eine Auswahl aus der Vielfalt.
Die Liste der hier genannten Themen hat ein einziges Ziel: Sie soll nachweisen, dass Menschen durch ihre Menge die Entscheidungsfreiheit für sich selbst und andere einschränken.
 
15. Freiheit
Die Angaben zur Freiheit stammen hier zum Großteil von Jack Parsons, einem der Vertreter des Standpunktes, dass das Bevölkerungswachstum eher zu einer Abnahme als zu einer Steigerung der Freiheit des Einzelnen führt. Die Freiheit jedes einzelnen Menschen besteht aus Teilfreiheiten, die in einer gewissen Konkurrenz zueinander stehen. Hinzu kommt, dass die Freiheit des Einzelnen durch die Freiheit von anderen eingeschränkt wird. Wenn der Einzelne mehr Freiheit erhält oder sich diese Freiheit einfordert, kann das bedeuten, dass ein anderer dadurch weniger frei ist. Freiheit ist auch eine Frage von Einschätzung, Gleichgewicht und Gegenseitigkeit. Sie kann sich nur in einem sozialen Gefüge entwickeln und ausgeübt werden. Laut John Stuart Mill hat die Gesellschaft die Autorität (Rechtsprechung) über die Freiheit des Einzelnen. Die zentrale Frage, die sich dann stellt, lautet, ob das allgemeine Wohlbefinden gefördert wird, wenn sich die Gesellschaft in die Freiheit des Einzelnen einmischt.
 
Ein heikler Punkt ist die Teilfreiheit, sich fortpflanzen zu können. Das Bevölkerungswachstum kann sich auf viele andere Teilfreiheiten auswirken und in zunehmendem Maße die grundlegendsten Freiheiten beeinträchtigen.
 
Vor diesem Hintergrund stellt eine Bevölkerungsplanung nicht so sehr eine Verletzung der Freiheit zur Fortpflanzung als eher eine Gewährleistung der anderen Freiheiten dar. Das Recht auf Fortpflanzung ist heutzutage universell. Das hat zur Folge, dass eine moderne Gesellschaft auf einmal wieder Zehntausende Wohnungen brauchen kann. Ein Kinderwunsch ist häufig auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit, eine religiöse Erfordernis, eine Alterssicherung, ein ideologischer Zwang oder eine finanzielle Not. Es müsste möglich sein, den Kinderwunsch auf eine angemessene Weise zu lenken. Auf jeden Fall hängt eine Geburtenkontrolle von der diesbezüglichen Meinungsbildung ab. In den Niederlanden gab es Zeiten, in denen das Thema Geburtenbeschränkung besser besprochen werden konnte als jetzt. In der Zeit des Muntendam-Berichts Mitte der siebziger Jahre war dies auch der Fall. Die Schlussfolgerungen aus diesem Bericht sind niemals in praktische Politik umgesetzt worden, weil sich gerade in jener Zeit die Auswirkungen der Pille deutlich wurden. Außerdem steigerte religiöse Angst vor einem legalisierten Schwangerschaftsabbruch den Widerstand gegen den Muntendam-Bericht. Als sich die multikulturelle Gesellschaft zu entfalten begann, wurde die Geburtenbeschränkung auf Grund der wenig weitsichtigen politischen Zielvorstellungen aus dem Auge verloren.
 
16. Mobilität
Sich schnell, komfortabel und mit oder ohne Gepäck bewegen zu können, verleiht dem modernen Menschen das Gefühl der Freiheit. Diese Mobilität wird jedoch durch das wirtschaftliche Wachstum, die Bevölkerungszahl und den Autobesitz selber eingeschränkt. Das Straßenverkehrsnetz ist dem zunehmenden Verkehr nicht mehr gewachsen. In aller Welt wächst die Zahl der Pkws um 40 Millionen Autos im Jahr auf derzeit 700 Millionen Autos. 2010 kam man in New York mit Pferd und Wagen doppelt so schnell vorwärts wie 1900 im Auto. Auch für unsere Städte gilt in zunehmendem Maße: Wer’s eilig hat, sollte aufs Rad steigen. Das Wachstum unseres Fahrzeugparks führt in den Städten meistens eher zu einer Abnahme als zu einer Zunahme unserer Mobilität.
 
Es gelingt uns nicht, die Menschen aus ihren Autos zu bekommen. Kompaktere Gemeinschaften durch gute Verbindungen zwischen Wohnort, Arbeit und Einrichtungen zu vertiefen, zeigt mehr Effekt. Dabei geht es nicht um die Mobilität an sich, sondern um die Erreichbarkeit.
Die Freiheit, die das eigene Auto bietet, verschwindet, wenn der Verkehr in einem dicht bevölkerten Land auf dicht befahrenen Straßen ins Stocken gerät. Wie groß darf oder muss die Bevölkerung sein, wenn eine angemessene Mobilität beibehalten will?
 
Es lässt sich berechnen, wie viele Autos das Straßenverkehrsnetz bei einer bestimmten angemessenen Geschwindigkeit verkraften kann. Wenn von 2 Personen pro Auto ausgegangen wird, kann das gewünschte Optimum bestimmt werden. Wie dem auch sei: Weniger Menschen bedeutet mehr Mobilität.
Eine andere Frage lautet, wie viel Kilometer an Asphalt für ein Land maximal akzeptabel sind. Mit anderen Worten: Wie viel Prozent der gesamten Bodenfläche kann angemessenerweise für den Verkehr genutzt werden, sodass noch genügend Platz für die Natur, zum Wohnen, Arbeiten und die Freizeit übrig bleibt? Früher befand sich außerhalb der Stadt genügend Raum für die freie Natur, und um Ruhe zu finden. Dieser Verlust an immateriellen Werten wird natürlich durch die Bestimmung von Kriterien aufgehoben. Erst wenn sich die Mehrheit der niederländischen Bevölkerung massiv gegen den Flughafen Schiphol ausspricht, wird das Wachstum dieses Flughafens gestoppt. Aber soweit ist man erst, wenn diesbezüglich ein kollektives Bewusstsein vorhanden ist.
 
17. Freizeit und Erholung
In England gibt es 24.000 Sportfelder für Fußball, Rugby, Hockey und Cricket. Diese Gelände umfassen 61.000 Hektar Grasland; dies entspricht ungefähr 0,5% der englischen Landesfläche. Für die Niederlande und andere europäische Länder gilt ungefähr der gleiche Prozentsatz.
Die Nachfrage nach Golfgeländen führt zu einem immer größeren Bedarf an Land. Ein normaler Golfclub in England braucht 50 bis 100 Hektar Land sowie die dazugehörigen Gewässer. Was für den Golfsport gilt, trifft folglich auch für andere Sportarten zu.
In den USA ist in den Jahren 1980 bis 1990 die Zahl der Golfclubs um 70% gestiegen. 1990 waren 25 Millionen Spieler in 15.000 Golfclubs aktiv. Es wird davon ausgegangen, dass um das Jahr 2000 noch einmal 4000 Clubs hinzugekommen sind. In England gibt es 2500 Golfclubs mit zwei Millionen Spielern. In Japan spielen 12 Millionen Menschen Golf. Wie wird das irgendwann in China?
Wenn man davon ausgeht, dass bald 10% der Weltbevölkerung Golf spielen und jeder Club mit 2000 Mitgliedern 100 Hektar Land benötigt, kommt man zu einer Zahl von 300.000 Golfclubs mit 30 Millionen Hektar Land. Das entspricht 0,4% der gesamten ökologisch produktiven Landfläche. Bei einem solchen Bedarf ist die Erde mit zwei Milliarden Menschen voll.
 
Wanderungen in den Bergen können gravierende Folgen für die Umwelt haben. Auf den beliebten Wegen im Himalaya, den Anden und in Afrika werden viele Schäden verursacht. Vor allem das Schlagen von Bäumen, um Feuerholz zu haben, das nicht jeder auf einer Wanderung mitnimmt, verstärkt die Erosion. Immer mehr Menschen wollen auf den bekannten Wegen den Mount Everest ersteigen. Es wird von einer Zahl von 25.000 Bergsteigern im Jahr ausgegangen. In einem Zeitraum von 80 Jahren liegt somit die Zahl der Menschen, die den Mount Everest besteigt, bei 2 Millionen Menschen.
Einmal angenommen, dass in Bezug auf Einkommen, Leistungsfähigkeit und Interesse des Menschen von allen 500 Menschen ein einziger in seinem Leben diesen Weg zum Mount Everest machen will, und wir davon ausgehen, dass eine Zahl von 25.000 Menschen im Jahr akzeptabel ist, dann wäre dies nur bei einer optimalen Bevölkerungsgröße mit einer Milliarde Menschen möglich.
 
Etwas weniger schädlich, aber äußerst populär ist das Skilaufen. Die Schäden werden dabei durch das Fällen von Bäumen für Skihänge mit der sich ergebenden Erosion, durch die intensiven Reisen per Auto und Flugzeug, den Einsatz von Schneekanonen, die wegen der Verwendung von sehr viel Wasser zu Veränderungen in der Vegetation führen, und vor allem auch durch die Änderung der Infrastruktur durch den Bau von Straßen und Hotels verursacht. Die derzeitige Skikapazität der Alpen stimmt ungefähr mit der derzeitigen Nachfrage in Europa überein. Da stellt sich die Frage, ob die Alpen nicht bereits an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit sein. 8 Millionen Japaner laufen Ski und haben im eigenen Land nicht viele Möglichkeiten. Wie viele Chinesen, Amerikaner und Inder werden irgendwann zum Skilaufen nach Europa kommen?
Wenn man den Prozentwert der Skiläufer, die Europa verkraften kann, in Bezug zu der steigenden Nachfrage in Europa setzt, dürften in Europa nicht mehr als 100 Millionen Menschen wohnen.
 
Laut dem Weltrat für Reise und Tourismus in Brüssel ist der Tourismus die größte Industrie weltweit, und ihre Wachstumszahlen liegen um 23% höher als bei der Weltwirtschaft im Allgemeinen. 1995 verbrachten 530 Millionen Menschen ihren Urlaub im Ausland und gaben dort 321 Milliarden Dollar aus. Es wird davon ausgegangen, dass 2000 mehr als 20 Millionen Japaner eine Reise ins Ausland machen. Eine japanische Firma (Shimizu) hat Pläne für ein Hotel auf dem Mond und für ein Hotel im Weltraum auf einer Erdumlaufbahn.
Wird ein zweiter Flughafen wie Schiphol in der Nordsee gebaut? Die Auswirkungen von Hotels, Straßen und Unternehmen auf die Umwelt sind unvorstellbar. Allein schon das Vorhandensein dieser Einrichtungen zieht weitere Aktivitäten nach sich.
An einigen Ferienzielen und Touristenorten musste der Zustrom wegen des verursachten Schadens bereits eingeschränkt werden. Hierzu zählen Stonehenge, Lascaux, Athen, Venedig und die Pharaonengräber in Ägypten.
Nationalparks können die Zahl der Touristen kaum noch bewältigen. Zum Grand Canyon kommen jedes Jahr 4,7 Millionen Besucher. Die Wartezeit für eine Floßfahrt auf dem Colorado-Fluss beträgt 9 Jahre. Die britischen Landschaftsparks machen gezwungenermaßen keine Werbung mehr für sich selbst. Die Frage lautet also: Wie kann man für all diese Gebiete bzw. Veranstaltungen die maximale oder optimale Besucherzahl ausrechnen?
 
18. Tragfähigkeit
Bei einer geringen Bevölkerungsdichte und einem geringen Pro-Kopf-Verbrauch der Bevölkerung sind die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf die Umwelt als gering zu bezeichnen. So lange die Umweltauswirkungen durch das menschliche Handeln relativ niedrig sind, lassen sie sich einfach durch natürliche Prozesse ausgleichen, ohne dass es langfristig gesehen zu einer Störung kommt. Dann liegt eine nachhaltige menschliche Gesellschaft vor, die die Tragfähigkeit des natürlichen Systems nicht überschreitet und die Umwelt nicht beeinträchtigt.
 
Wenn man nun für ein bestimmtes Gebiet, ein Land oder eine Region den Pro-Kopf-Konsum der Bevölkerung [C] mit der Belastung für die Umwelt [T] multipliziert, und das Ergebnis davon mit der Anzahl der Konsumenten in einem solchen Land oder Gebiet [P] multipliziert, erhält man die gesamte Umweltbelastung für ein Land oder Gebiet, die Auswirkung [I]. Die Formel lautet also: P x C x T = I.
 
Eine Einschränkung des Pro-Kopf-Konsums scheint in Anbetracht der diesbezüglichen Erwartungen nicht sehr realistisch zu sein. Von den Armen kann niemand erwarten, dass sie den Gürtel noch ein bisschen enger schnallen. Die neue und wachsende Mittelklasse, wie sie sich u. a. in China ausbildet, will einfach Kühlschrank, Auto und Waschmaschine. Die Reichen im Westen wollen auf nichts verzichten, sondern fixieren sich gerade auf ein wirtschaftliches Wachstum und die Verbesserung der Kaufkraft. Laut Norma Myers wird eine Abnahme des Konsums nur dann akzeptiert, wenn dies mit technologischen Neuerungen und einer wirtschaftlichen Verwendung von Energie einhergeht. Wir werden nach Ansicht von Norman Myers gezwungen werden, uns in diese Richtung zu bewegen.
 
In den Niederlanden hat die Stiftung „Milieudefensie“ berechnet, dass reiche Länder ihren Konsum senken müssten, um ihre Wirtschaft in Stand zu halten, ohne den Platz in ärmeren Ländern dauerhaft zu benutzen. Die gewünschte Senkung beträgt im Allgemeinen 70%. In den Niederlanden wäre bei einer Bevölkerung von fast 17 Millionen bis zum Jahr 2010 eine Senkung des Energieverbrauchs um 60% pro Kopf der Bevölkerung erforderlich. Bei Trinkwasser liegt der Wert bei 38%, bei Aluminium sind es 80%, bei landwirtschaftlicher Nutzfläche 45% und bei Holz 65%. Jeder Einzelne müsste einen Liter am Tag für Transporte einschließlich Urlaubsflüge bekommen. Bei einer durchschnittlichen Senkung um ca. 50% für die oben angeführten Konsumbereiche könnten die Niederlande ca. 16 Millionen Einwohner zählen, aber bei einer Beibehaltung des heutigen Konsums ca. 8 Millionen.
 
Die neuesten technischen Möglichkeiten, damit der menschliche Konsum nicht mehr so umweltschädigend ist, geben für Optimismus keinen Anlass. Immer mehr Umweltfachleute hoffen, dass die Auswirkungen der Menschen auf die Umwelt mithilfe der Technik gesenkt werden können. Ein erstes Beispiel sind die Biotechnologen: Sie denken, Möglichkeiten zu sehen, Zellulose zu synthetisieren. Dies wäre eine Grundlage für die Herstellung von Papier und Baumwolle.
Einige Wissenschaftler wollen die Ozeane mit Eisensulfat düngen. Mit diesem Verfahren sollen die Konzentrationen von Kohlenstoffdioxid um 10% oder mehr abnehmen. Ein Versuch im Pazifischen Ozean hat vor Kurzem ein dramatisches Algenwachstum ans Licht gebracht. Diese Algen benutzen tatsächlich in hohem Maße Kohlenstoffdioxid.
Als drittes Beispiel könnte laut dem Rocky Mountain Institute of Colorado in Kürze genügend Energie durch neue polymere Brandstoffzellen erzeugt werden. Ein Auto kann damit mit 4,5 Liter Treibstoff 320 km weit fahren, während von still stehenden Autos die weiter erzeugte Elektrizität in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann.
Aber Pessimisten behaupten, dass das zunehmende Wachstum des konsumtiven Verbrauchs die erhöhte Wirtschaftlichkeit wieder aufheben wird. So ist auch durch oder trotz sparsamerer Automotoren der Treibstoffverbrauch in den USA gestiegen.
Es wird auch gedacht, dass die technischen Verbesserungen zu einem Anstieg des Bruttonationalprodukts um 75% führen werden.
 
19. Schluss
Trotz aller technischen Neuerungen und Möglichkeiten lebten 1968 nur eine Milliarde Menschen in Wohlstand, während 2,5 Milliarden Menschen unter der Armut litten. 1990 lag die Zahl der wohlhabenden Menschen bei ganzen 1,2 Milliarden, während gleichzeitig keine einzige technische Neuheit oder Möglichkeit dazu geführt hat, dass 1990 fast 4,1 Milliarden Menschen in Armut leben mussten.
 
Die Beschränkung der Bevölkerung ist selbstverständlich dort am wirkungsvollsten, wo der Pro-Kopf-Konsum am höchsten ist, also im reichen Westen. Ob die westliche Bevölkerung allerdings zu einer Geburtseinschränkung bereit ist, hängt möglicherweise auch von der Frage ab, ob diese Geburtseinschränkung durch die Migrantenströme neutralisiert wird oder nicht.
 
Eine der Fragen, die sich sofort stellt, lautet, wie die erreichten sozialen Einrichtungen bei einer niedrigeren Zahl tragkräftiger Personen intakt bleiben können. Die Gegenfrage, die sich hierdurch ergibt, lautet, ob diese Einrichtungen bei einem ungezügelten Bevölkerungswachstum überhaupt in Stand gehalten werden können, wenn die Mehrheit all dieser neuen Menschen ebenfalls nicht zu den tragkräftigen Personen gehört.
 
Bei einer angemessenen Verteilung beim Rückgang in allen Gruppen der Bevölkerung kann davon ausgegangen werden, dass sich nicht nur ein entsprechender Rückgang bei der Belastung ergibt, sondern auch bei dem Bedarf an sozialen Vorkehrungen. Möglicherweise lässt sich die Abnahme der Belastungen ausgleichen; aber die Beibehaltung der derzeitigen Infrastruktur wird wahrscheinlich zu einer relativ höheren Belastungen pro Einwohner führen. Wie das Übergangsbild zu einer Gesellschaft mit weniger Menschen aussehen wird, überschreitet den Rahmen dieser Arbeit:
 
Hinweise zur Literatur
  • Für unsere Studie haben wir eine Schrift mit dem Namen „Optimum Population for Europe“, präsentiert von David Willey auf dem International Workshop on Population and Environment in Rom am 28. und 29. Oktober 1996, intensiv verwendet.
  • Auch aus dem Vortrag von Dr. Madeline Weld mit dem Titel „Confronting the Population Crisis, Responses to the Twenty-One Most Commonly Used Arguments to Confound the Issue”, in Ottawa im April 1996 von der Organisation Global Population Concerns herausgegeben, ist geschöpft worden.
 
Ansonsten wurden verwendet:
  • “De Draagkracht van Nederland”, ein Diskussionsbeitrag von Milieudefensie Nederland, Amsterdam 1994.
  • “Our Ecological Footprint” von Mathis Wackernagel und William Rees, New Society Publishers, Philadelphia 1996.
  • “Food, Land, Population and the U.S. Economy” von David Pimentel und Mario Giampietro in Clearing House Bulletin, Washington 1994.
  • “Population and Food” von Tim Dyson, Routledge, London 1996.
  • “Renewable Energy: Economic and Environmental Issues”, eine Untersuchung von David Pimentel, Cornell University, 1994.
  • “The Population Explosion” von Paul und Anne Ehrlich, Arrow Books, London 1991.
  • “Natural Resources and an Optimum Human Population” von David Pimentel in “Population and Environment: A Journal of Interdisciplinary Studies”, Cornell University, 1994.
  • “Forging a Sustainable Water Strategy” in State of the World von Sandra Postel, 1996, Earthscan, London 1996.
  • International Monetary Statistics Yearbook, IMF 1994.
  • “Population and Water Resources: A Delicate Balance” in “Population Bulletin” von Malin “Falkenmark and Carl Widstrand”, Population Reference Bureau, 1992.
 
2010

World population