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Freitag, 20 Dezember 2013 23:10

Die Bevölkerungsexplosion hat weltweit schwere Folgen

Fred Schra

Laut den VN sank seit 2000 die Zahl der Menschen unterhalb der Armutsgrenze von einem Drittel auf ein Fünftel der Weltbevölkerung, und entbehren immer weniger Kinder Unterricht1, dies alles dank dem Programm der Millenniumziele2.

Anscheinend sind die schlimmsten Folgen der Bevölkerungsexplosion vorbei. Die Hunderte Milliarden US-Dollars, die die westliche Welt alljährlich in Entwicklungshilfe pumpt3, scheinen Erfolg zu haben. Die VN berichten im Report über den Fortschritt der Millenniumziele wie folgt: ʹDie Welt verfügt über die Hilfsquellen und Kenntnisse, um zu gewährleisten, dass auch die ärmsten Länder die Millenniumziele erreichen können.‘ 4
Aber wird das auf die Dauer auch so bleiben? Entsprechend zuverlässigen Einschätzungen hat die Weltbevölkerung in 2012 die 7 Milliarden Einwohner erreicht5 und wird die achte Milliarde schon 2024 erzielt werden. Um 2075 wird die Weltbevölkerung ihren Höhepunkt zwischen 9 und 10 Milliarden erreichen. Das Population Reference Büro erwartet, dass es 2050 um die 9,3 Milliarden Erdbewohner geben wird. Dieser Moment liegt gar nicht so weit in der Zukunft; jeder unter dreißig wird ihn mit großer Wahrscheinlichkeit erleben.
Allerdings gibt es zwischen den Weltteilen große Unterschiede in der Bevölkerungszunahme.

Grafik 1: Unterschiede in der Bevölkerungszunahme bis 20506

Diese großen Unterschiede machen deutlich, dass Bevölkerungszunahme eine ernst zu nehmende Sache ist. Wenn das Wirtschaftswachstum heutzutage schon zurückbleibt, wird die künftige Situation umso schwieriger werden, weil sich die mondialen Vorbedingungen nicht strukturell ändern werden. Die Millenniumziele legen nahe, dass Unterricht und Kenntnisse ausreichen, um die Entwicklung einer wohlfahrenden Welt in Gang zu setzen, und dass es sich anschließend mit der Familienplanung schon finden wird. Es ist jedoch sehr die Frage, ob diese Aussage auf einer stichhaltigen Beweisführung basiert. Der Bevölkerungsumfang passt sich nur mit größter Verzögerung an neue Einsichten an, so lehrt uns die Vergangenheit.

Ein gerechtfertigter Optimismus?
Die Diskrepanz zwischen den gestellten Millenniumzielen und langfristigen Erwartungen lässt Fragen aufkommen. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Gruppe von Wissenschaftlern mit begründeten Argumenten einen bevorstehenden Untergang verkündet, während man nach weniger Zeit feststellen muss, dass alles nur halb so schlimm ist. So wurden in der Vergangenheit eine Eiszeit prophezeit (Nigel Calder, die Wettermaschine) und auch ein großes Waldsterben infolge des sauren Regens. Dem Club of Rome ist viel Kritik und Spott widerfahren, als sich seine Zukunftserwartungen nicht bewahrheiteten. In einer neuen Studie von Meadows und Randers, die sich auf den Bericht des Club of Rome gründet, wird zwischen 2030 und 20407 ein globaler Zusammenbruch vorhergesagt. Selbstverständlich sind weltweite Entwicklungen schwer zu überblicken, aber auch bei Teilstudien ging es ab und zu schief. So hat beispielsweise Lester Brown, ein amerikanischer Agronom und Umweltexperte, der sich mit nahezu jedem Aspekt nachhaltiger Entwicklung befasst hat, 1995 vorhergesagt, China wäre nicht in der Lage, sich selbst zu ernähren und würde infolge seines Wohlfahrtswachstums weltweit die Nahrungspreise hochtreiben. 2006 hatte China seine Nahrungsproduktion derart vergrößert, dass sich das VN-Nahrungsprogramm erübrigte.
Wenn die Unheilspropheten regelmäßig daneben hauen und nicht voraussehen können, dass technische Entwicklungen und landwirtschaftliche Verbesserungen die Zukunft ganz anders gestalten können, so dürfte dies den VN-Optimismus bestätigen. Aber vielleicht gibt es andere Gründe, die Bevölkerungsexplosion in Afrika und der islamitischen Welt kritisch zu verfolgen.
Die Frage, ob Afrika dem chinesischen Beispiel nachfolgen könne, ist nicht leicht zu beantworten. Die Möglichkeiten sind wahrscheinlich in hinreichendem Ausmaß vorhanden, aber es fragt sich, ob sie auch tatsächlich benutzt werden. Afrika ist China gegenüber stark im Nachteil. Als sich China zu entwickeln begann, gab es bereits etwa 5 Milliarden Erdbewohner, aber dennoch standen derzeit in hinreichendem Ausmaß auswärtige Hilfsquellen zur Verfügung. China bemüht sich schon jahrelang um Rohstoffe, namentlich in Algerien, Angola, Kongo und Tansania. China kann sich diese aus Afrika besorgen, aber wo sollte Afrika die Ressourcen hernehmen, die sich nicht im eigenen Boden befinden?
Es gibt einen großen Unterschied in der Weise, in der sich der Westen in vergangenen Jahrhunderten entwickelt hat und wie es heutzutage die Entwicklungsländer tun. Als sich die Industrialisierung in Europa und Amerika entwickelte, war ihr Tempo genügend hoch, um Veränderungen zu erzwingen, aber zugleich hinreichend langsam, um der Gesellschaft zu Anpassungen zu befähigen. Die Modernisierung geht zur Zeit weit schneller vonstatten, und die wenig strukturierten Gesellschaften der Entwicklungsländer reagieren anders darauf. Hinzu kommt, dass Europa und Amerika in ihrer Zeit wenn nötig die Hilfsquellen anderer Länder beanspruchen konnten. Diese Möglichkeit hat sich derzeit verkleinert.

Grafik 2: Nachhaltige Bevölkerung der Kontinente (ohne Berücksichtigung der Kohlenstoffdioxidemissionen)

Quelle: WWF, Living Planet Report, 2007.

Zu der Zeit des Club of Rome lebten wir in einer anderen Welt. Damals gab es weder Internet noch den massenhaften internationalen Flugverkehr. Die Bevölkerungsexplosion vollzog sich vorwiegend in gesonderten Regionen, aber heutzutage hat Überbevölkerung weitreichende Konsequenzen für die ganze Welt. Migrationsströme vollziehen sich über größere Entfernungen und mit größerer Leichtigkeit und Geschwindigkeit als vorher. Dies wird auch durch das hohe Tempo, in dem sich Informationen verbreiten, ermöglicht. Hierdurch werden die Menschen zu zügigen Reaktionen befähigt.
Im Jahr 2009 ist die europäische Bevölkerung (738 Millionen) genau so groß wie die von West-, Ost und Mittelafrika (735 Millionen). 2050 wird die Bevölkerung in diesen Teilen von Afrika mit 876 Millionen zugenommen haben, d.h. mit mehr Menschen als momentan in Europa wohnen.
Es ist für die Bevölkerung dieser Länder schon schwer genug, den jetzigen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das starke Bevölkerungswachstum wird dies in Zukunft weiter erschweren. Indem Wohlfahrt an sich von Bevölkerungsdichte und –umfang unabhängig ist, wird sie durch ein ausreichendes Bildungsniveau und eine vielseitige Wirtschaft bedingt – allerdings so lange es genügend Ressourcen gibt.

Soziale Infrastruktur als wesentlicher Erfolgsfaktor
Der ökologische Fußabdruck der armen Ländern verbleibt schon seit 1960 auf der gleichen Ebene, während der von reichen und mittelreichen Ländern weiter zunimmt. Dies wird dadurch bedingt, dass in China und Indien die Hälfte der Bevölkerung in besseren Umständen lebt. Gerade diese beiden Länder genießen schon jahrelang ein großes Wirtschaftswachstum in Kombination mit einer geringen Bevölkerungszunahme (China 0,5% und Indien 1,5%). Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass Bevölkerungswachstum wirtschaftliches Wachstum beeinträchtigen kann. Ein Großteil des Einkommens muss dann für Bildung und sonstige Investitionen verwendet werden.
Die Beziehung zwischen der ökologischen Tragfähigkeit eines Landes und seiner Wohlfahrt ist komplex. Da sich nicht alle Länder in der gleichen Anfangssituation befinden, empfiehlt es sich, einen dritten Faktor mit einzubeziehen: die soziale Infrastruktur. Diese wird in dem Human Development Index ausgedrückt und von den VN berechnet.

Tabelle 3: Lage der Kontinente (ohne Berücksichtigung der Kohlendioxidemissionen)


Obige Tabelle zeigt wie der Zusammenhang zwischen Entwicklung und ökologischer Tragfähigkeit die Zukunft bestimmen wird. Die Größe der Ovale ist mehr oder weniger proportional zum Bevölkerungsumfang des jeweiligen Kontinents.
Die Gebiete im 1. und 3. Quadranten haben ihre Tragfähigkeit nicht völlig ausgelastet und können sich demnach weiter entwickeln, auch wenn keine externen Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Gebiete im 2. Quadranten besitzen zwar eine soziale Infrastruktur, die Veränderungen ermöglicht, sie müssen jedoch die notwendigen Ressourcen zu einem Großteil aus anderen Regionen beziehen. Es müssen dafür die Gebiete besonders im 1., aber auch im 4. Quadranten herhalten. Aus dem 4. Quadranten wird vor allem Erdöl bezogen, weil der dortige Überschuss keine Negativfolgen für die Tragfähigkeit der Region hat.
In diesem 4. Quadranten ist die Situation am heikelsten: die Möglichkeiten zu weiterem Wachstum sind gering; dabei ist die Zahl der Menschen überaus groß, was eine einseitige Wirtschaft zur Folge hat. Diese drei Faktoren erschweren die Entwicklung einer sozialen Infrastruktur, und soweit sie sich entwickelt hat, ihre Wirksamkeit. Im 3. Quadranten wird Überbevölkerung zuallererst zu Emigration nötigen, weil sonstige Lösungsversuche nicht zu erwünschten Ergebnissen führen. Die Gebiete im 2. Quadranten können ihre entwickelte soziale Infrastruktur für eine bessere gegenseitige Abstimmung ihres Fußabdrucks und ihrer Tragfähigkeit einsetzen.


Folgen der Bevölkerungsexplosion
Es ist denn auch wahrscheinlich, dass viele Afrikaner auswandern werden. Die International Organisation for Migration (IOM) erwartet 2050 eine beträchtliche Zunahme der Migration infolge von Umweltschäden und Klimawechsel. Die Schätzungen variieren von 100 bis 800 Millionen ökologischer Flüchtlinge bis 2050.8
Das starke Bevölkerungswachstum in Afrika und den islamitischen Ländern hat einen relativ jungen Aufbau der Bevölkerungspyramide zur Folge. Die Zahl der arbeitswilligen Hände übersteigt die Arbeitsmöglichkeiten, so dass sich eine Mechanisierung und Automatisierung der Arbeit nicht lohnt. Dies hat zur Folge, dass die Prozesse im Agrarwesen ineffizient verlaufen und die Produktivität niedrig bleibt. Da das Arbeitspotential, das die Landwirtschaft braucht, nicht für den Aufbau ‘höherer‘ Sektoren zur Verfügung steht, kann sich die Wirtschaft nur schwer in der Richtung einer größeren Diversität entwickeln.
Es gibt das Risiko, dass sich die Millenniumziele in erster Instanz halbwegs auf dem elementaren Niveau der Geburtenkontrolle, Familienplanung und des Elementarunterrichts erfüllen und dass es dabei bleibt. Der Bevölkerungsaufbau ist oft dermaßen jung, dass sogar der Rückgang der Geburtenziffer einer nigerianischen Frau von 7 auf 5 oder 4 Kinder innerhalb einer Generation kaum Effekt hat.
Auch wenn sich das Bevölkerungswachstum in Afrika und den islamitischen Ländern von einer Verdoppelung jede 25 bis 50 Jahre auf eine Verdoppelung jede 50 (1,4% jährlicher Zuwachs) bis 100 Jahre (0,7% jährlicher Zuwachs) senken würde, dann noch würde die Bevölkerung in diesen Regionen um 2050 die ökologische Tragfähigkeit übertreffen. Eine derart starke Verkleinerung der Familien jedoch ist aufgrund der bisherigen Erfahrungen kaum zu erwarten. Die herrschende Kultur, die Sitten sowie die geringen Aussichten auf Unterricht und Arbeit bilden erhebliche Hindernisse.
Zwar verfügt Afrika über zahlreiche Rohstoffe, doch hat es nicht den sozialen Organisationsgrad, der Europa zu einem reichen Kontinent gemacht hat: eine hochausgebildete Bevölkerung, eine gute Infrastruktur von Wegen sowie enge wirtschaftliche Zusammenarbeit. Für Europäer bedeutet eine Wohlfahrtssenkung keineswegs einen Rückgang im Wohlbefinden, weil ein Großteil des Einkommens nicht für den täglichen Lebensunterhalt aufgewendet wird, sondern mehr oder weniger zur freien Verfügung steht.
Ein Land wie Niger wird 2050 voraussichtlich etwa 50 Millionen Einwohner haben, während ganz Afrika südlich der Sahara zwei Milliarden Menschen zählen wird. Dies wird große Folgen für die Natur und die Biodiversität dieser Gebiete haben. Der Urwald wird der Landwirtschaft und Viehzucht weichen müssen.
1950 lebten 30% der Weltbevölkerung in Städten, damals fast eine Milliarde Menschen. 2050 wird mehr als 60% der Weltbevölkerung in Städten leben, also mehr als 6 Milliarden Menschen. Der Güterverkehr wird sehr stark zunehmen. Bis 2050 werden 1000 Städte mit mehr als eine Million Einwohner dazukommen. Dies sind natürlich nicht alles neue Städte, aber es bedeutet immerhin, dass in der Zwischenzeit mehr als tausend Städte der Größe Amsterdams hinzugekommen sind.
Diese Entwicklungen werden in den benannten Regionen riesige Veränderungen mit sich bringen. Die wachsende Bevölkerung wird einen stets stärkeren Anteil der inländischen Agrarprodukte und Minerale für den eigenen Gebrauch benötigen. Solange deren Export jedoch erträglicher ist als die inländische Nachfrage, drohen der Bevölkerung Armut und Hunger, die reiche Länder hinwieder zu Nothilfe und Entwicklungsarbeit veranlassen werden. Die Folgen der Bevölkerungsexplosion in Entwicklungsländern werden sich nicht auf diese Gebiete beschränken, sondern sich auf die westliche Welt ausdehnen.

Die Tragfähigkeit Europas
Grafik 2 zeigt, dass Europa im Ganzen noch über natürliche Ressourcen verfügt; wer sich aber spezifisch dem westlichen Teil des Kontinents zuwendet, gelangt zu einer anderen Schlussfolgerung.
Damit die Möglichkeiten pro Land eruiert werden können, wird meist auf den ökologischen Fußabdruck zurückgegriffen. Der Fußabdruck ist die Einheit, die besagt, zu welchen Ausmaß der Mensch die natürlichen Hilfsquellen seiner Umgebung beansprucht. Eine Gemeinschaft ist insofern nachhaltig, als sie weniger Hilfsquellen benutzt, wie ihr zur Verfügung stehen.
Es ist offensichtlich, dass die reichen Länder viel mehr beanspruchen als ihre eigenen Hilfsquellen erlauben. Dies wird durch Technik und Handel ermöglicht. Inwiefern der Fußabdruck der europäischen Länder ihre Oberfläche übertrifft, erhellt aus folgender Tabelle:

Tabelle 4: Nachhaltige Bevölkerung der europäischen Länder (mit Berücksichtigung ihrer Kohlendioxidemissionen)

  Heutige Bevölkerung
(Millionen)
Heutiger Fußabdruck
(2007)
Nachhaltige
Kapazität
Nachhaltiger
Bevölkerungsumfang
(Millionen)
inklusive
Karbon
Belgien 10,5 8,0 1,3 1,7
Deutschland 82,3 5,1 1,9 30,7
Frankreich 61,7 5,0 3,0 37,0
Italien 59,3 5,0 1,1 13,0
Niederlande 16,5 6,2 1,0 2,7
Österreich 8,3 5,3 3,3 5,2
Polen 38,1 4,3 2,1 18,6
Spanien 44,1 5,4 1,6 13,1
Vereinigtes Königreich 61,1 4,9 1,8 22,4
Schweiz 7,5 5,0 1,2 1,8
         
Gesamt-summe 389,4     146,2

Quelle: Living Planet Report, Ecological footprint and biocapacity 2007.

Der Differenz der aktuellen und nachhaltigen Bevölkerung dieser zehn westeuropäischen Länder beträgt nicht weniger als 243 Millionen Menschen.9 Europa ist überbevölkert, und diese Situation kann nur dadurch bestehen, dass viele Menschen in Städten wohnen, in denen es möglich ist, sie in effizienter Weise mit Diensten und Gütern, die aus anderen Regionen der Welt herbeigeschafft werden, zu versorgen.
Der ökologische Fußabdruck setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Die wichtigsten sind die verfügbare nutzbare Landoberfläche und die Gewässermenge sowie die vorhandene Aufnahmekapazität für Kohlendioxidemissionen und chemische Abfallstoffe. Besonders in Ländern mit hohen Einkommensraten hat Kohlendioxid einen relativ großen Anteil am Aufbau des Fußabdrucks. Es ist denkbar, dass sich in wenigen Jahren herausstellt, dass das Gewicht von Kohlendioxid im Karbonzyklus weit geringer ist, als wir zur Zeit glauben, und dass es uns dank neueren Techniken gelingt, den Einfluss chemischer Abfälle stark zu reduzieren. Es empfiehlt sich deshalb, gleichfalls die Situation Europas zu betrachten, in der wir diesen potenziellen Entwicklungen Rechnung tragen. Folgende Tabelle zeigt, was sich in Europa ändern würde, wenn wir den Faktor Karbon im Fußabdruck außer Acht lassen:

Tabelle 5: Nachhaltige Bevölkerung Europas ohne Kohlendioxidemissionen

  Heutige
Bevölkerung
(Millionen)
Heutiger
Fußabdruck (2007)
ohne Karbon
Nachhaltige
Kapazität
Nachhaltiger
Bevölkerungsumfang
(Millionen)
exklusive
Karbon
Belgien 10,5 4,1 1,3 3,3
Deutschland 82,3 2,4 1,9 65,2
Frankreich 61,7 2,4 3,0 76,2
Italie 59,3 2,3 1,1 27,9
Niederlande 16,5 3,2 1,0 5,1
Österreich 8,3 2,2 3,3 12,6
Polen 38,1 2,0 2,1 39,2
Spanien 44,1 2,7 1,6 26,4
Vereinigtes Königreich 61,1 2,0 1,8 54,2
Schweiz 7,5 1,8 1,2 5,0
         
Gesamt-summe 389,4     315,1

Auch in diesem Fall gibt s noch eine beträchtliche Überbevölkerung von 74 Millionen Menschen. Allerdings haben einige Länder noch ökologische Tragfähigkeit übrig im Vergleich zu der Situation, in der Kohlendioxid in der Berechnung mit berücksichtigt wurde.

Grafik 6. Überbevölkerung in Europa in 2007 ohne Kohlendioxidemissionen

Die meisten Länder in West- und Mitteleuropa überschreiten bereits ihre ökologische Tragfähigkeit ( = der blaue Teil der Balken). Es fällt auf, dass vor allem die Niederlande und Belgien ihre Tragfähigkeit weit überschreiten. Der Unterschied mit Grafik 2 entsteht dadurch, dass in dieser Länder wie Schweden, Finnland, Russland und Belarus, die über große natürliche Reserven verfügen, aufgenommen sind. Diese Gebiete verdanken ihren relativ unberührten Status dem Umstand, dass sie sich weniger für Landwirtschaft und Viehzucht eignen und sich außerhalb der üblichen Handelswege befinden. Es wäre unrealistisch, diese Länder in diesem Kontext mit einzubeziehen, da sich Migranten nicht an erster Stelle dorthin begeben werden.
Der Fußabdruck ohne Kohlendioxid hat wenig Elastizität, da sonstige Faktoren wie Landoberfläche und Gewässer kaum besser als bisher zu benutzen sind. Europa wird also auf alle Fälle auf Nahrungs- und Rohstoff-Importe beispielsweise aus Afrika angewiesen bleiben.
Damit ein nachhaltiger Bevölkerungsumfang erreicht wird, sollte sich die Bevölkerung der aufgeführten europäischen Länder verringern müssen. Leider weisen alle Prognosen in der Richtung einer ungefähren Stetigkeit des heutigen Umfangs infolge der Immigration.
Alles in allem ist es kaum vorstellbar, dass sich Europa einer nachhaltigen Gesellschaft annähern könnte, da die gegenwärtige Situation der Überbevölkerung andauern wird. Dies ist eine gefährliche Situation, die um so riskanter wird als sie länger dauert, weil sich die Welt dem Punkt der Überbelastung nähert. Es wird für Europa nach und nach immer schwieriger werden, den Einfuhr bestimmter Güter zu sichern.

Die Tragfähigkeit Afrikas
Aus Tabelle 3 wird ersichtlich, dass Asien bereits überbevölkert ist. Es gibt drei Kontinente, die sich in einer komfortablen Ausgangslage befinden: Afrika, Südamerika und Ozeanien. Sollte das Bevölkerungswachstum in diesen Regionen auf Null herabsenken, würde die dortige Bevölkerungspyramide einen nachhaltigen Aufbau bekommen. Voraussichtlich lässt sich das in Südamerika und Ozeanien bereits innerhalb einer Generation verwirklichen.
Afrika ist jedoch eine ganz andere Geschichte. Die Tabelle zeigt, dass das Kontinent schon um 2030 die Grenzen seiner Tragfähigkeit erreicht haben wird. Natürlich wird sich die Modernisierung der afrikanischen Länder durchsetzen, und in der Landwirtschaft lässt sich noch vieles verbessern, so dass höhere Erträge und eine größere Effizienz die Produktivität bestimmt hochtreiben wird.
Derzeitig nähert sich eine Anzahl afrikanischer Länder ihrer maximalen Tragfähigkeit oder überschreitet sie bereits, was aus folgender Tabelle ersichtlich wird:

Tabelle 7. Überbevölkerung Afrikas (ohne Berücksichtigung der Kohlendioxidemissionen)

  Nachhaltiger Bevölkerungs-umfang (Millionen) Über-bevölkerung  in 2007 Bevölkerungs-zunahme bis 2025
Algerien

21

13

9

Ägypten

44

36

19

Ghana

18

5

9

Elfenbeinküste

38

-18

10

Mali

16

-4

6

Marokko

21

10

5

Niger

13

1

13

Nigeria

131

16

60

 

 

 

 

Gesamt

303,3

57,7

131,0

Folgende Grafik zeigt, in welchem Ausmaß diese Länder ihre ökologische Kapazität überschreiten:

Grafik 8. Entwicklung der Überbevölkerung Afrikas

Der blaue Teil und der orangefarbene Teil repräsentieren die momentane Situation. Bei Mali und der Elfenbeinküste befindet sich der orangefarbene Teil an der linken Seite der Nulllinie, was besagt, dass diese Länder noch Tragfähigkeit übrig haben. Der lilafarbene Teil bezeichnet die Änderungen bis 2025. Die meisten Länder geraten dann in eine Situation der Überbevölkerung. Bloß die Elfenbeinküste wird ihre ökologische Tragfähigkeit noch nicht völlig erschöpft haben.
Afrika verfügt jedoch wie gesagt noch über beträchtliche natürliche Ressourcen, und manche Länder werden ihre Tragfähigkeit nur beschränkt überschreiten.

die Tragfähigkeit der islamitischen Länder
Im islamitischen Teil von Asien ist die Situation weitaus schlimmer. Die kleinen Länder wie Jordanien, Kuwait, Palästina und die VAE haben ihre ökologische Tragfähigkeit weit überschritten. Nachstehende Tabelle und Grafik zeigen nur die größeren Länder:

Tabelle 9. Überbevölkerung islamitischer Länder

  Nachhaltiger Bevölkerungs-umfang (Millionen) Über-bevölkerung  in 2007 Bevölkerungs-wachstum bis 2025
Afghanistan

23

3

13

Bangla Desh

134

23

38

Iran

58

14

15

Irak

21

8

15

Pakistan

128

45

73

Saudi-Arabien

12

12

11

Syrien

20

0

8

Türkei

65

8

12

Jemen

24

-2

12

 

 

 

 

Gesamt

485,0

111,0

197,0

Mit 111 Millionen Menschen sind diese Länder bereits überbevölkert, und es werden bis 2025 noch 197 Millionen dazukommen.

Graphik 10. Überbevölkerung islamitischer Länder

Die Grafik zeigt, dass bloß Jemen noch einige ökologische Tragfähigkeit übrig hat, weil es das einzige Land ist, dessen blauer Balken die 100%-Linie noch nicht ganz erreicht hat. Nahezu alle Länder in diesem Gebiet werden 2025 ihre Tragfähigkeit um etwa 50% überschreiten.
Der Unterschied zwischen der Situation im Nahen und Mittleren Osten und in Afrika ist bemerkenswert, weil Afrika bessere Möglichkeiten zum Aufbau einer vielschichtigen Wirtschaft hat als die andere Region. Die islamitischen Länder sind einseitig vom Erdöl als Tauschmittel abhängig.

Priorität Geburtenkontrolle
Aus dem Vorangehenden geht hervor, dass es mehrere Gründe gibt, der Geburtenkontrolle in armen Ländern die höchste Priorität zu gewähren. Entwicklungshilfe sollte statt wirtschaftliche Entwicklung Geburtenbeschränkung betonen. Man könnte beispielsweise die vollständige Schulausbildung der Kinder finanzieren im Tausch gegen eine Sterilisation der Eltern nach dem zweiten Kind. In dieser Weise wird sowohl zweckmäßig in die Zukunft der Kinder als in das Land, in dem sie wohnen, investiert. Es wird verhütet, dass Millionen Menschen ihr Land wegen Unzulänglichkeit der natürlichen Hilfsquellen verlassen müssen.
Hinzu kommt, dass Geburtenbeschränkung in Afrika eine sichere Zukunft von Europa fördert. Die Dauerspannung zwischen Wirtschaftswachstum und Bevölkerungszunahme wird regelmäßig zu Konflikten im schwarzen Kontinent führen. Diese werden oft von Flüchtlingsströmen begleitet werden. Aber auch in Friedenszeiten werden Menschen den Problemen lieber einen Schritt vorausbleiben wollen, indem sie sich eine bessere Existenz, beispielsweise in Europa, suchen.
Europa ist momentan schon überbevölkert und wird es jahrzehntelang bleiben. Das Eintreffen von Millionen Migranten aus Afrika würde die Lage nur verschlimmern.
Es wird einleuchten, dass diese Zahlen so groß sind, dass durch sie sämtliche vorangehende Migrantenströme in der Geschichte der Menschheit in den Schatten gestellt werden. Klar aber ist auch, dass sich die Regierungen auf künftige Entwicklungen vorbereiten. Bei diesen Vorbereitungen ist nicht nur an das Erforschen der unterschiedlichen Faktoren, die bei Migration eine Rolle spielen bzw. an eine Förderung der Geburtenbeschränkung zu denken. Manche Regierungen versuchen, ihre Landsleute aktiv zu einer positiven Stellungnahme gegenüber Migranten und Migration zu veranlassen. Eine nach der anderen Studie erscheint10, um zu erklären, dass es gegen Migration keinen einzigen Einwand geben kann. Bürger eines demokratischen Landes sollten sich jedoch Gedanken machen, wenn der Staat sich so emsig bemüht, seine Bürger von einer bestimmten Auffassung zu überzeugen. Eine wahrhaftig zukunftsorientierte Politik sollte sich für einen Bevölkerungsschrumpf und letzten Endes für einen nachhaltigen und der ökologischen Tragfähigkeit gerechten Bevölkerungsumfang einsetzen. Indes wird auf EU-Ebene die Immigration gefördert; auf jeden Fall wird ihr nicht entgegengewirkt.
Es fragt sich, ob diese Regierungen genauso bereit gewesen wären, ihre Untertanen zu beeinflussen, wenn die Migrantenströme in entgegengesetzter Richtung ablaufen würden. Dies war vor weniger als einem Jahrhundert der Fall, als Europa stärker überbevölkert war als Afrika.
Anscheinend haben sich die europäischen Regierungen vorab mit der Unvermeidlichkeit des Bevölkerungswachstums in Afrika und dessen mutmaßliche Folgen für Europa abgefunden. Sie erwarten offenbar, dass sich die afrikanische Wirtschaft trotz günstigen Ablaufs der Millenniumziele nicht genügend entwickeln wird, um die Bevölkerungsexplosion zu verkraften.
Diese Resignation hat nichts mit den Ressourcen Afrikas zu tun, sondern hängt von zwei weiteren Umständen ab: 1. das afrikanische Bevölkerungswachstum übertrifft das Wirtschaftswachstum und 2. die anderen Kontinente sind näher an die Grenzen ihrer ökologischen Tragfähigkeit gekommen als Afrika oder haben diese bereits überschritten.
Die Bevölkerungsexplosion in Afrika und den islamitischen Ländern wird gewiss der Tropfen sein, der das globale Fass zum Überlaufen bringt.

    1 VN, Millennium Development Goals Report, 2007, S. 4.

    2 Es gibt 8 Millenniumziele:  2015 sind z.B. extremer Hunger sowie extreme Armut beschworen, gehen alle Jungen und Mädchen in die Schule und sind alle Männer und Frauen gleichberechtigt.

    3 Schätzung der OECD, 2008.

    4 VN, Millennium Development Goals Report, 2010, S 5.

    5 Population Reference Bureau, 12. August 2009.

    6 Daten PRB, 2009 World Population Data Sheet.

    7 Meadows, D.H. u. a., Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre-Update, 2006.

    8 IOM, nach Myers, Environmental Refugees, Oxford, Mai 2001.

    9 Diese und andere Werte sind auf der Basis des Living Planet Report von 2007 zusammengestellt. Wir haben sie mit den Datentabellen des Global Footprint Network von 2011 verglichen, um ihre Robustheit festzustellen. Die Unterschiede sind minimal: wirklicher Bevölkerungsumfang der aufgeführten Länder: 392,3 Millionen, nachhaltiger Bevölkerungsumfang: 150,9 Millionen. Die Fußabdruckdaten werden kontinuierlich neu gesammelt und berechnet [Anmerkung des Übersetzers].

    10 In den Niederlanden beispielsweise ACVZ, Nederland migratieland, ook in 2025 geen probleem, Den Haag, 2008 [Niederlande Migrationsland, auch 2025 kein Problem].

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