Overpopulation Awareness is the website of Stiftung Der Klub der Zehn Millionen

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Die Welt ist für uns zu klein

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Richtig bevölkert, oder?

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Eine gute Umwelt beginnt mit der Bekämpfung der Überbevölkerung

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Mehret euch nicht

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Grenzen des Wachstums

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Bevölkerungsdruck und PKWeh

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Ehepaare mit Kinderwunsch sind für die Zukunft doppelt verantwortlich

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Überbevölkerung = Überkonsum

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Stopp die Ausschöpfung und Verseuchung der Erde

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Zu wenig Wohlfahrt für zu viel Menschen

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Wir lieben Menschen, aber nicht ihre Zahl

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Wir können die Menschheit nicht auf sich bewenden lassen

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Freitag, 05 März 2010 16:37

Überbevölkerung ist eine Entscheidung

Paul Gerbrands in der April-Ausgabe 2008 von „Civis Mundi“

 
Geschichte
Die industrielle Revolution hat um 1750 in England ihren Ausgang gefunden. Im Laufe der Zeit hat sie den Rest der Welt erreicht. Vor allem in Europa und den USA war dies der Anfangspunkt eines neuen Zeitalters.
Zu Beginn entstand durch die industrielle Ausbeutung der Arbeitermassen viel Armut und es kam zu einer niedrigen Lebenserwartung. Aber die Zeiten änderten sich, als sozialistische Parteien und Gewerkschaften damit anfingen, sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse einzusetzen. Am Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Lebensqualität allmählich, die Wohnungsbedingungen wurden angepasst und die Qualität der Nahrungsmittel verbesserte sich. Die Lebenserwartung zeigte in dem Rahmen, wie die Gesundheitsfürsorge ausgebaut wurde, eine steigende Tendenz.
In den beiden letzten Jahrhunderten ist die Weltbevölkerung explosionsartig größer geworden. So stieg die Bevölkerungszahl in den Niederlanden von 2 Millionen im Jahre 1800 auf 10 Millionen 1950 (siehe auch die Grafiken). Da viele Menschen für ihre Arbeit in die Städte zogen, kam es zu einer Urbanisierung. Während 1700 noch 2 % der Weltbevölkerung in Städten wohnten, lag diese Zahl 2000 bei ca. 50 %. Die Modernisierung der westlichen Wirtschaft, die städtisch geprägte Gesellschaft und die Bevölkerungszunahme führten gemeinsam zu einer Massenherstellung von Produkten und Waren. Unternehmer konnten ihren Umsatz steigern und Verbrauchern wurde eine immer größere Auswahl geboten. Der Mangel an Rohstoffen auf den kapitalistischen Märkten stellte kein großes Problem dar, denn man konnte in zunehmendem Maße auf einen weltweiten Vorrat aus den Kolonien schöpfen. Dank den kolonialistischen und imperialistischen Maßnahmen garantierten die sorgfältig bewachten Zufuhrwege aus den entlegensten Winkeln der Welt die Lieferung all desjenigen, das nötig und brauchbar war. Der Raubbau hatte angefangen.
 
Karl Marx
Die ganze Welt schien eine unerschöpfliche Quelle für die Bedürfnisbefriedigung der weißen Imperialisten zu sein. Ihre militärische Übermacht und ihr Überlegenheitsgefühl degradierten die zumeist dunkelhäutigeren Verkäufer der Rohstoffe und Nahrungsmittel zu untertänigen Lieferanten. Und wenn es aus politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Gründen für die Europäer sinnvoll war, an einen der paradiesischen Orte zu emigrieren, wurde es den europäischen Kolonialisten nicht besonders schwer gemacht. Dies führte zu großer Frustration bei der einheimischen Bevölkerung in den Kolonien, die den herrischen Weißen oftmals nicht besonders gut gesonnen war. Aber für Europa schienen die Bäume in den Himmel zu wachsen. Jetzt sollte der Hunger endgültig der Vergangenheit angehören.
Nachhaltigkeit war kein Problem. Und dennoch schrieb Malthus 1798 sein Werk “An Essay on the Principle of Population as It Affects the Future Improvements of Society, with Remarks on the Speculations of Mr. Godwin, M. Condorcet, and Other Writers”. Malthus vertrat den Standpunkt, dass das Bevölkerungswachstum früher oder später zu einem Mangel an Nahrungsmitteln führen würde. Seine Warnungen wurden ihm nicht gedankt, denn sie standen dem weiteren Fortschritt im Weg. Adam Smith, der später als Begründer der Wirtschaftswissenschaft betrachtet wurde, zeigte sich ebenfalls besorgt über die schnellen wirtschaftlichen Entwicklungen. 1776 erschien sein Buch „Wealth of Nations“. Sein Standpunkt lautete, dass nationale Regierungen zu viel Streit über die Verteilung der Rohstoffe auf der Welt bekommen würden. Sein Buch erhielt mehr Beifall. Aber die meisten Reaktionen gab es nach der Veröffentlichung des “Kommunistischen Manifests” von Karl Marx und Friedrich Engels 1848. Als die Maschinerie der Massenproduktion einmal richtig in Gang gekommen war, formulierten die beiden Verfasser die sozialen und politischen Folgen der industriellen Revolution.
 
Al Gore
Malthus wird von vielen noch heute als lästiger Schwarzseher betrachtet. Aus gutem Grund, sagen die Optimisten, da das Nahrungsproblem jetzt unter Kontrolle zu sein scheint. Bewässerung, Kunstdünger, genetische Manipulation und Pflanzenveredelung werden dank einer hochentwickelten Technologie eingesetzt, um den hohen Anforderungen der zahlreichen modernen Verbraucher gerecht zu werden. Außer einigen regionalen Hungersnöten scheint es weltweit keine größeren Probleme zu geben. Viele dieser technischen Wissenschaftler sind sogar der Überzeugung, dass das Weiterbestehen des Wohlstands auf der Welt bei ihnen in guten Händen ist. Umweltorganisationen bringen manchmal ethische Einwände gegen Methoden wie die Pflanzenveredelung vor. Aber sowohl die technischen Wissenschaftler als auch die Umweltaktivisten sind der westlichen Philosophie verhaftet, dass nur ein Wachstum Fortschritt bietet. Deshalb suchen sie - fast automatisch - nach Lösungen im Rahmen des ökonomischen Wachstumsmodells. Sie können außerhalb des Wachstumsszenariums keine grundlegenden Lösungen vorlegen, mit denen der Nahrungsmangel ausgeschlossen wird, ohne dem derzeitigen Raubbau der Erde auf fundamentale Weise Einhalt zu gebieten.
Auch Al Gore versucht ausschließlich, die Verschmutzung bei dem Fortschritt einzudämmen und weigert sich aus parteipolitischen Gründen, sowohl das Bevölkerungswachstum als auch das Wachstum des Wohlstands auf die politische Tagesordnung zu setzen. Seine Standpunkte klingen überzeugend, führen aber nicht zu einer bleibenden Lösung für den Nahrungsmangel und das Umweltproblem. Die Europäische Union hat sich sogar für den Anbau von mehr Pflanzen entschieden, mit denen Kraftstoff für die Energieerzeugung gewonnen werden kann. Dass dies bei den steigenden Lebensmittelpreisen in der Welt zu einem noch größeren Hunger für die Allerärmsten der Welt führen kann, scheint einen geringeren Stellenwert zu haben.
 
Moderner Kapitalismus
Der Kapitalismus hat seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Alternative seinen weltweiten Einfluss verstärkt. In den einst kommunistischen Ländern scheint das Verlangen nach persönlicher Freiheit sogar dadurch überflügelt zu werden. Die Europäische Union (EU) hat den amerikanischen Freihandel kopiert. Das Wirtschaftswachstum, die Massenproduktion und der übermäßige Konsum prägen das Bild unserer Gesellschaft. Bis in die ärmsten Winkel der Welt werden unsere Ideale als Lösung für alle wirtschaftlichen Probleme propagiert. Die Antiglobalisten scheinen die Einzigen zu sein, die dem wirklich ablehnend gegenüberstehen. Inzwischen verbrauchen die 16 Millionen Niederländer genauso viel Trinkwasser, Nahrung und Energie wie die 185 Millionen Menschen in Bangladesch. Der westliche Vorsprung bei der Wirtschaft scheint unangreifbar. Handelsverträge wie das Abkommen von Lomé 1975 bis hin zu den aktuellsten Plädoyers zugunsten von Krediten für kleine beginnende Unternehmen in Entwicklungsländern scheinen nicht mehr als ein paar gut gemeinte Ansätze gegen die westliche Übermacht zu sein.
Und bei diesem Szenarium träumt die scheinbar uneingeschränkt wachsende Bevölkerung in den Entwicklungsländern erwartungsfroh von einem Wohlstand auf dem Niveau der westlichen Welt. Die schnelle Bevölkerungszunahme in diesen Ländern und die zunehmende Industrialisierung in Ländern wie China und Indien führen zu einem noch größeren Bedarf an Rohstoffen für die Erzeugung von Energie, hochwertigen Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser. Unsere Erde macht Überstunden.
Europäer haben seit dem 2. Weltkrieg allerdings ein größeres Bewusstsein hinsichtlich ihrer Rolle als Verschmutzer und Ausbeuter der Welt bekommen. Die freigiebige Wohltätigkeit ehrt sie, aber sie sind vor allem am eigenen Wohlstand und dem eigenen Komfort interessiert. Die Immigrationsentwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg waren unter anderem eine Folge der Tatsache, dass die westeuropäischen Arbeitnehmer die schmutzige Arbeit nicht mehr verrichten wollten. Jetzt werden aus den Entwicklungsländern sogar die guten und selbst ausgebildeten Fachkräfte geraubt, damit unser Wirtschaftswachstum gewährleistet ist. Die Frage lautet, ob wir mit dieser Haltung aufrichtig einen nachhaltigen Wohlstand auf europäischer Ebene mit ausreichender Nahrung und genügend Energie für jeden Weltbürger anstreben können.
 
Der ökologische Fußabdruck
Da 16 Millionen Niederländer selbst über zu wenig fruchtbare Fläche für die eigene Nahrungsproduktion verfügen, nehmen sie dafür unter anderem die südliche Erdhalbkugel in Anspruch. Aber auch dort ist nicht die gesamte Bodenfläche für Landwirtschaft und Viehzucht geeignet und verfügbar. Die gesamte Erdkugel umfasst ungefähr 14,5 Milliarden Hektar Land und 36 Milliarden Hektar Meer. Nach Abzug der mit Eis bedeckten Polkappen, der Wüsten, der semiariden Gebiete sowie des unfruchtbaren und Brachlandes bleiben ungefähr neun Milliarden Hektar Bodenfläche zum Wohnen und für den sonstigen menschlichen Gebrauch übrig. Wenn die gesamte verfügbare produktive Erdoberfläche durch die derzeitige Zahl von gut sechs Milliarden Menschen geteilt wird, ergibt dies ungefähr 1,5 Hektar an fruchtbarer Bodenfläche pro Einwohner. Aber mit 1,5 Hektar kommt ein Bürger aus der westlichen Hemisphäre nicht weit, wenn er Jahr ein, Jahr aus nachhaltig damit umgehen muss. Das schaffen wir mit 16 Millionen Menschen in den Niederlanden gewiss nicht.
Die derzeitige Fläche in Hektar, die ein Bewohner der Niederlande jetzt für seinen gesamten Konsum in Anspruch nimmt, liegt bei ca. 4,8 Hektar. Das sind erheblich mehr als die 0,24 Hektar, über die ein Niederländer innerhalb seiner eigenen Landesgrenzen verfügen kann. Aber auch damit stehen ihm immer noch mehr als die 0,05 Hektar zur Verfügung, über die ein Ägypter zurzeit verfügen kann. Es ist wiederum erheblich weniger als die 32.000 Hektar, die ein Kanadier innerhalb der eigenen Landesgrenzen benutzen kann. Die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln auf dem Weltmarkt, die Umstellung auf Biokraftstoffe, die sich ausdehnenden Wüsten und die Missernten wirken sich schon heute negativ auf die Lebensmittelpreise aus. Hinzu kommen mittelfristig die Folgen durch den Anstieg des Meeresspiegels. Viel fruchtbares Ackerland in Deltagebieten und Tiefebenen wird dadurch versalzen und steht dann für die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr zur Verfügung. Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen hat aufgrund eines Nahrungsmangels im September 2007 noch darüber nachdenken müssen, sogar die Rationen in den Flüchtlingslagern zu senken.
 
Konsumbremse
Für die Hälfte der heutigen Weltbevölkerung, die gut sechs Milliarden Menschen zählt, sind die Bekämpfung von Hunger und die Unterernährung ein zeitraubender Teil ihrer täglichen Sorgen. Reichtum und Wohlstand sind für diese Menschen völlig unerreichbar. Am Ende dieses Jahrhunderts zählen wir nach Angaben der Vereinten Nationen elf Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Das wird meiner Ansicht nach zuerst zu einer stärkeren Migration und anschließend zu einer proletarischen Weltrevolution der Unzufriedenen dieser Erde führen. Nur bei einem absolut einfachen vegetarischen Lebensstil, wie er von Mönchen in Nepal gelebt wird, kann die Erde die Zahl von elf Milliarden Menschen mit allen nur denkbaren Tricks möglicherweise dauerhaft ernähren. Dafür muss allerdings jeder Form von Luxus abgeschworen werden. Aber bei der Beibehaltung der jetzigen kostspieligen Ess- und Lebensgewohnheiten in sowohl der Europäischen Union als auch in den USA können auf der ganzen Erde wahrscheinlich nur drei bis vier Milliarden Menschen dauerhaft ernährt werden.
Der Faktor Energie spielt bei den Bestrebungen zur Beibehaltung des jetzigen Lebensstandards im reichen Westen eine besonders wichtige Rolle. Da lässt sich noch nicht so viel Nachhaltigkeit erkennen. Denn im reichen Westen wurden in 200 Jahren die fossilen Kraftstoffe verbraucht, für deren Herstellung die Erde Milliarden Jahre benötigte. In dem Maße, in dem die Energie auch in der dritten Welt eine immer größere Rolle spielt, wenn es um die Steigerung des Lebensstandards geht, wird der Preis für ein Fass Öl auf dem Weltmarkt in wenigen Jahren wahrscheinlich die Grenze von 300 US-Dollar überschreiten. Das öffnet wiederum Tor und Tür für mehr Atomenergie. Wenn manche Niederländer zu einer gerechteren Verteilung von Lebensmitteln und Energie auf der Welt bereit sind, müssen sie sich in Zukunft auch mit dem begnügen, das einem Bürger dieser Welt im Durchschnitt zusteht. Für Gewerkschaften, die Verteidiger der Rechte von Arbeitern und Verbrauchern, scheint sich hier eine sinnvollere Aufgabe zu ergeben, als zu Streiks aufzurufen, wenn auch nur der geringste Wohlstandsverlust zu befürchten ist.
 
Optimaler Bevölkerungsdruck
Aber eine Abnahme des Wohlstands findet in den verwöhnten Niederlanden keine Befürworter. Die einzige ersthafte Alternative ist dann die Senkung der jetzigen Bevölkerungsbelastung. Bei einer Verminderung der jetzigen Einwohnerzahl von 485 Menschen pro qkm auf 79 pro qkm könnte der derzeitige ökologische Fußabdruck von 4,8 beibehalten bleiben, ohne dass der heutige Wohlstand in Gefahr gerät. Die entsprechende ökologisch vertretbare Einwohnerzahl der Niederlande wird in dieser Situation auf 2,7 Millionen Menschen veranschlagt. In der dargestellten Tabelle wird pro EU-Staat angegeben, wie hoch die dauerhafte Einwohnerzahl sein müsste. Die Annahme dabei lautet, dass bei einer niedrigeren Einwohnerzahl in der EU alle verfügbaren Hilfsquellen nachhaltig eingesetzt werden können, ohne die Lasten auf den Rest der Welt abzuwälzen. Der Fußabdruck jedes Landes in der EU und der EU insgesamt darf nicht größer sein als derjenige, der für die Beibehaltung der derzeitigen Lebensquellen benötigt wird.
Da jedoch Menschen über den Handel die Hilfsquellen in der ganzen Welt in Anspruch nehmen, wurde der Fußabdruck in dieser Tabelle für die Europäische Union auf der Grundlage der Hilfsquellen auf dem ganzen Planeten berechnet. Dafür wurde ebenfalls eine eigene Tabelle erstellt. Natürlich bestehen riesige Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern in Hinsicht auf das jetzige produktive Vermögen und den derzeitigen Konsum. Darum handelt es sich bei dem Begriff Hektar in der Tabelle um einen gewichteten Mittelwert in Bezug auf die produktive Oberfläche der gesamten produktiven Fläche auf der Welt. Dabei wurden übrigens auch die Fischgründe berücksichtigt. Diese Tabelle erhebt übrigens nicht den Anspruch, mehr als nur eine Richtschnur zu sein; sie soll damit nur die weitere Diskussion zu diesem Thema anstoßen.
 
Wieso eine gerechte Welt?
Arbeitnehmer und ihre politischen Parteien und Gewerkschaftsvertretungen haben sich von Marx inspirieren lassen. Gehaltserhöhungen, weniger Ausbeutung, kürzere Arbeitszeiten, Verstaatlichungen, Selbstverwaltung durch Arbeiter, Sozialleistungen und sogar die Vermögenszuwachsteilung waren nur die Zwischenstationen auf dem Wege zum sozialistischen Utopia. Aber niemand hat sich in jenen Kreisen einmal laut die Frage gestellt, ob eine gerechte Welt für eine uneingeschränkte wachsende Zahl von Menschen, die immer höhere Ansprüche an den Wohlstand stellen, überhaupt möglich ist. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ein höheres Gehalt haben nach wie vor die höchste Priorität. Die politische Partei, die aufgrund ökologischer Motive auf Einschränkungen der Einwohnerzahl drängen sollte, wird sofort als inhuman abgeurteilt.
Eine gerechte Verteilung von Gewinn und Reichtum wird noch immer als Schlüssel für die Lösung von Problemen wie Armut und Hunger in der Welt betrachtet. Dabei wird jedoch systematisch vermieden, die Marktwirtschaft, die Konsumgesellschaft und die Überbevölkerung selbst zur Diskussion zu stellen. Keine politische Partei ist bereit, wesentlich auf das Problem der Nachhaltigkeit einzugehen, indem das Wirtschaftswachstum auf die politische Tagesordnung gesetzt wird. So behaupten zum Beispiel die niederländischen Christdemokraten, dass durch die Einpolderung eines Teils der Nordsee die Probleme von Raumordnung, Natur und Umwelt gelöst werden können. Aber das ist eigentlich nichts anderes, als die jetzigen ökologischen Probleme vor sich her zu schieben. Diese werden so marginalisiert. Über den Club von Rom, der 1972 in „Grenzen des Wachstums“ seine Besorgnis über den Rohstoffmangel in der Welt äußerte, wird auch heute noch voller selbstgefälliger Zufriedenheit und mit einer gewissen Beruhigung gesagt, dass sich diese Prophezeiungen nicht bewahrheitet haben.
Diktatoren präsentierten sich im letzten Jahrhundert als kommunistische oder faschistische Heilsbringer. Für sie konnte die Masse gar nicht groß genug sein. Menschen waren Kanonenfutter und Arbeitstiere. In einer Welt mit einer noch größeren Zahl an hungrigen und armen Menschen sind totalitäre Systeme noch gefährlichere Optionen, genauso wie die religiösen Konkurrenten. Die haben auch niemals gezeigt, ihre Heilsbotschaft weltweit eine feste Form zu verleihen. Die Nachkommen all der armen Schlucker in Europa und Amerika sind in die Fußstapfen ihrer Arbeitgeber getreten und haben sich in zwei Jahrhunderten zu anspruchsvollen, unzufriedenen und egozentrischen Verschwendern entwickelt. China folgt diesem Trend. Durch all diese emanzipatorischen Prozesse, all die Schulbildung und all die Sozialgesetze wird die Armee der menschlichen Plünderer auf der Erde immer größer. Und die Mehrheit all dieser Verbraucher betrachtet es noch immer als das höchste Ideal, wenn sich die segensreiche Nachkommenschaft eines noch größeren Wohlstands für alle erfreuen kann. Und für dieses Ideal steigen überall in Europa regelmäßig die Löhne und das Kindergeld. Diese Entwicklung ist schon seit Generationen erkennbar. Aber die heutige Armut und Arbeitslosigkeit sind nur eine Folge einer überbevölkerten Welt, auf der Epidemien und Kriege das natürliche Gleichgewicht nicht mehr beeinträchtigen.
 
Bekämpfung von Symptomen
Der moderne Fortschrittsgedanke hat uns in seiner Macht. Wer eine wirtschaftliche Schrumpfung verlangt, erntet höchstens ein mitleidiges Lächeln. Wie der Radfahrer unter Gefährdung seines eigenen Lebens bei einer roten Ampel nur kurz innehält, um dann schnell wieder in die Pedale zu treten, so wollen auch wir wirtschaftlich gesehen höchstens vorübergehend mal den Fuß vom Gas nehmen. Das einzige Zugeständnis von uns besteht daraus, die Verschmutzung durch unseren Wohlstand aufzuräumen, weil die Kontinuität unseres Wohlstands davon abhängt. Auch das Abkommen von Kyoto ist nichts mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nachhaltigkeit wird nach wie vor dem Wachstum untergeordnet. Das erfreut sich sogar eines größeren Stellenwerts als die Freiheit des Einzelnen.
Es ist fesselnd zu verfolgen, wie von staatlicher Seite das Thema Überbevölkerung ausgeblendet wird. In den Niederlanden werden zwar allerlei Maßnahmen getroffen oder vorgeschlagen, aber damit werden nicht mehr als die Symptome der Überbevölkerung bekämpft. Diesbezügliche Beispiele sind der Bau von Hochhäusern, Tunneln, U-Bahnen und Legehennenbatterien, riesigen Schweineställen, die gestaffelten Schulferien, die Aufstellung von Parkuhren und die Einrichtungen von Fahrbahnleitsystemen. All dies sind Maßnahmen, mit denen auf Probleme reagiert wird, die sich aus einer zu hohen Bevölkerungsdichte ergeben. Aber laut den niederländischen Christdemokraten haben wir nicht zu viel Menschen, sondern zu wenig Platz. Deshalb muss ihrer Ansicht nach mehr Polderfläche entstehen.
Vorläufig haben Pläne für eine weitere Abfolge imperialistischer oder kolonialer Raubzüge - dieses Mal wahrscheinlich zu anderen Planeten - wohl wieder mehr Erfolg als die Umsetzung einer weltweiten Bevölkerungspolitik.
 
Es gibt keinen Ausweg mehr!
Im 21. Jahrhundert sind viele Blicke auf eine weltweite Ausdehnung des Konzepts Demokratie als politisches Allheilmittel gerichtet. Länder mit einer langen parlamentarischen Geschichte sind jedoch der Beleg dafür, dass Parteien lieber um die Wählergunst miteinander streiten, damit die eigenen Interessen gewahrt sind. Der Fallstrick für Politiker bleibt der Wettstreit mit ihren politischen Gegnern, diese mit noch schöneren Versprechen über einen noch größeren Wohlstand ohne zusätzliche Kosten zu übertreffen. Eine unangenehme Wahrheit über eine Abnahme des Wohlstands zu verkünden, ist politischer Selbstmord. Wirkliche ökologische Maßnahmen bleiben aus, weil diese bei den meisten Wählern auf wenig Gegenliebe stoßen. Die freie Entscheidung für eine beliebige Anzahl an Kindern gilt als unangreifbares Recht. Die chinesische 1-Kind-Politik wird bei uns als barbarisch verschrien, denn wir denken dazu viel zu individualistisch. Interessant ist daher, dass Menschen zwar einerseits bereit sind, Freiheiten wegen Terroristen, die ihren Wohlstand bedrohen, zu opfern, andererseits aber nichts dafür opfern wollen, unseren Wohlstand friedlich miteinander zu teilen.
Die Demokratie ist zum Spielball von Interessen geworden. Die Debatte bei der Volksvertretung ist keine Debatte mehr, solange die zufällige parlamentarische Mehrheit aufgrund der etwas größeren Anzahl an Mandaten a priori Recht hat. Es ist ein bisschen so, als ob derjenige, der am schnellsten fährt, auch Vorfahrt hat. Demokratie wird immer mehr zum Mittel, an den erworbenen Rechten festhalten zu können. Es scheint eine Art von Konsens zum Irrsinn unseres Lebens zu geben. Das hat nicht mehr viel mit einem Denken über eine langfristig nachhaltige Gesellschaft zu tun.
Zum eigenen Überleben haben Gesellschaften in der Vergangenheit vielfältige Lösungen für ihre Probleme gefunden. Dies zeigt sich in den Strukturen und Einrichtungen, die ihr Funktionieren ermöglichen. Aber diese haben im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelt und verkommen zu unangreifbaren Tabubereichen. Der Mensch wird dadurch zum Gefangenen seiner eigenen Kreationen und seiner eigenen Traditionen. So war das Wirtschaftswachstum einst die Lösung zur Bekämpfung von Armut. Das Kindergeld diente dazu, dass arme Kinder eine Chance auf eine Ausbildung bekommen. Der niederländische Küstenschutz sollte das Land vor dem Meer schützen. Aber jetzt weigern sich die Politiker, zuzugeben, dass die brillanten Lösungen von einst möglicherweise weniger sinnvoll für die Probleme der jetzigen Zeit sind.
Diese Lenkung mit dem automatischen Piloten ist eine Folge von Eile, einem Mangel an Interesse, Dummheit, Angst oder Machtbesessenheit. Auf diese Weise werden ständig Scheinlösungen als wahre Lösungen präsentiert. Unsere politische Elite legt diesbezüglich keine fundierte Rechenschaft ab. Dort kommt man nicht weiter, als den verfügbaren Raum effizienter zu benutzen, eine Stadt im Meer zu bauen, die Schulferien zu staffeln, die Deiche zu erhöhen, Parkuhren aufzustellen, die Autobahnmaut einzuführen und Hochhäuser aus dem Erdboden zu stampfen. Diese Maßnahmen verführen uns nur dazu, die grundlegenden Entscheidungen vor uns her zu schieben. Die stärksten Schultern müssen dabei natürlich die schwersten Lasten tragen. Aber auf dem jetzt eingeschlagenen Weg ist auch das keine dauerhafte Lösung mehr. Die einzige Wahl, die wir jetzt noch haben, besteht daraus, keinen grundlegenden Entscheidungen mehr aus dem Wege zu gehen.
 
 
ANHANG MIT TABELLE
 
Ein Zusammenhang zwischen dem Fußabdruck und der Bevölkerungsdichte in den Ländern der Europäischen Union
 

1.
Land

2.
Jetziger
fussab-
druck

3.
Nach-
haltiger
fussab-
druck

4.
Jetzige
bevölker-
ungs
dichte

5.
Nach-
haltiger
bevölker-
ungs dichte

6.
Jetzige
bevölk-
erung

7.
Nach-
haltige
bevölk-
erung

8.
Oberfläche
(x 1000 qkm)

Belgien / Luxemburg
6,72
1,13
326
55
10,4
1,7
34
Dänemark
6,58
3,24
125
62
5,4
2,7
43
Deutschland
4,71
1,74
231
85
82,5
30,5
357
Estland
4,94
4,15
30
25
1,4
1,2
45
Finnland
8,42
8,61
22
22
8,9
9,1
305
Frankreich
5,26
2,88
110
60
59,6
32,6
544
Griechenland
5,09
2,34
84
39
11,0
5,1
132
Ungarn
3,08
1,75
109
62
10,1
5,7
93
Irland
5,33
6,14
56
65
4,0
4,6
70
Italien
3,84
1,18
190
58
57,3
17,6
301
Lettland
3,43
3,02
36
32
2,3
2,0
64
Litauen
3,07
3,02
53
52
3,5
3,4
65
Niederlande
4,81
0,79
478
79
16,2
2,7
34
Österreich
4,73
2,78
96
56
8,1
4,8
84
Polen
3,70
1,63
122
54
38,2
16,8
312
Portugal
4,47
1,60
113
40
10,4
3,7
92
Slowenien
3,58
2,24
98
61
2,0
1,3
20
Slowakei
3,44
2,35
110
75
5,4
3,7
49
Spanien
4,66
1,79
81
31
40,7
15,6
505
Tschechien
4,82
2,32
129
62
10,2
4,9
79
Ver. Königreich
5,35
1,64
243
74
59,3
18,2
244
Schweden
6,73
7,34
22
24
8,9
9,7
411
 
 
 
 
 
 
 
 
Europäische Union
 
 
117
51
455,8
197,6
3883
 
Quelle: Living Planet Report, WWF, Schweiz, 2002.
 
 
Erläuterungen zu der Tabelle:
 
Von Malta und Zypern lagen keine Angaben vor.
 
Die Durchschnittswerte von 117 und 51 unten in den Spalten zur Bevölkerungsdichte wurden auf der Grundlage der gesamten Oberfläche von 3,883 Millionen Quadratkilometer berechnet. Dies wird als gewichteter Durchschnitt bezeichnet.
 
In der 2. Spalte mit dem derzeitigen Fußabdruck steht die Anzahl Hektar, die ein Bewohner in dem betreffenden Land durch seinen tatsächlichen Konsum für sich beansprucht. Es zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Wohlstand und Konsum. Was der Tabelle nicht zu entnehmen ist, ist die Feststellung, dass ein Land mehr Möglichkeiten als ein anderes hat, seinen eigenen Konsum zu unterhalten. Schließlich gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, wenn es um die Größe und die Qualität der landwirtschaftlichen Flächen, Wälder, Fischgründe usw. geht.
 
In der 3. Spalte mit dem nachhaltigen Fußabdruck wird die Anzahl Hektar pro Person genannt, bei der der Umfang der jetzigen Bevölkerung beibehalten werden kann, ohne dass es zu weiteren Einbußen beim Kapital der Erde, den Lebensquellen, kommt. Im Fall von Ländern wie Finnland, Irland und Litauen ist der Unterschied zwischen dem jetzigen Fußabdruck und dem nachhaltigen Fußabdruck klein. Es geht hier um Länder mit einer geringen Bevölkerung und einer großen Bodenfläche, die zudem eine hohe Qualität aufweist.
 
In der 4. Spalte mit der derzeitigen Bevölkerungsdichte (Anzahl Einwohner pro qkm) stehen die Angaben zur Bevölkerung (Stand: 1. Januar 2003). Diese wurden der Publikation Wichtige Fakten und Zahlen zur Europäischen Union, 2004, entnommen.
 
In der 5. Spalte mit der nachhaltigen Bevölkerungsdichte (Anzahl Einwohner pro qkm) stehen die Angaben, die auf der Grundlage der Zahlen aus der Spalte mit dem nachhaltigen Fußabdruck berechnet wurden.
 
In der 6. Spalte mit der jetzigen Bevölkerungszahl (in Millionen) stehen die Angaben zur Bevölkerung (Stand: 1. Januar 2003). Diese wurden der Publikation Wichtige Fakten und Zahlen zur Europäischen Union, 2004, entnommen.
 
Bei Spalte 7
In der 7. Spalte mit der Nachhaltigen Bevölkerungszahl (in Millionen) stehen die Angaben, die unter anderem auf der Grundlage der Angaben aus dem nachhaltigen Fußabdruck und der nachhaltigen Bevölkerungsdichte zustande gekommen sind.
 
Ausgangspunkte bei dem Bericht „Living Planet Report“
Der „Living Planet Report“ ist ein mehrjähriges Projekt, das unter der Leitung des WWF (World Wildlife Fund) International durchgeführt wird. Dies ist eine Organisation mit fünf Millionen Spendern, die in 90 Ländern aktiv ist. Der WWF hat es sich zum Ziel gesetzt, die Zerstörung der natürlichen Umwelt unseres Planeten aufzuhalten und eine nachhaltige Gesellschaft von Mensch und Natur zu gestalten. Wichtige Ziele dabei sind die Erhaltung der ökologischen Vielfalt auf dem Planeten, die Beibehaltung der erneuerbaren natürlichen Hilfsquellen und die Beschränkung von Verschmutzung und Vergeudung. Die Angaben in dem Bericht sind in Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem FAO, dem IPCC, der International Energy Agency (IEA), der Europäischen Kommission und dem IVEM in Groningen zustande gekommen. Matthis Wackernagel hat bei den Berechnungen zum Fußabdruck und dem Text der Szenarien sowie den politischen Möglichkeiten mitgewirkt.
 
Wie wird der Fußabdruck berechnet?
Der Fußabdruck eines Landes zeigt die erforderliche Oberfläche an, die benötigt wird, um all das zu produzieren, das von dem Land für Nahrung, Rohstoffe, Energie usw. benutzt wird. Dies ist im Prinzip der Teil der Welt, der für den Konsum dieses Landes in Anspruch genommen wird. Der Fußabdruck pro Land ist eine Summe der einzelnen Teile. Die einzelnen Teile lauten wie folgt: landwirtschaftliche Nutzfläche, Weideland, Wald, Fischgründe, Energie und bebautes Land. Die Summe dieser Teilfußabdrücke bestimmt den ökologischen Fußabdruck insgesamt.
 

  

 

In Civis Mundi 2008

World population